Überblick – Die russischen Kreuzer

Als mit den russischen Zerstörern der erste Zweig des russischen Forschungsbaums in World of Warships (WoWS) eingeführt wurde, war das ungewöhnlich, aber verständlich, denn gleichzeitig wurden ja die deutschen Kreuzer veröffentlicht. Wargaming.Net (WG) wollte damit wohl nicht zu viele Kreuzer auf einmal ins Spiel bringen und für genügend Abwechslung sorgen. Nun ist es daher nur logisch, dass jetzt als nächster russischer Zweig die Kreuzer nachgeschoben werden, denn alle anderen Schiffsklassen leiten sich ja bekanntlich aus dieser zentralen Kreuzerlinie ab. Um es vorwegzunehmen, die russischen Kreuzer sind speziell und teilweise verwirrend wenn man von Stufe zu Stufe geht, denn es bildet sich erst einmal kein festes Muster heraus, was zum Beispiel das Kaliber der Geschütze angeht. Was aber alle gemeinsam haben ist, dass sie relativ groß sind (vor allem die Schiffe in den hohen Stufen) und alle relativ schnell sind, denn kein russischer Kreuzer aus dieser Linie fährt langsamer als 24 kn. Daher lohnt es sich, auch wenn die Schiffe zum Zeitpunkt dieses Beitrages noch nicht veröffentlicht sind, schon jetzt einen genaueren Blick auf die einzelnen Kandidaten und ihre Vor- und Nachteile zu werfen.

Stufe I bis II

Das erste reguläre Schiff, die Orlan, ist schon eine ganze Weile im Spiel, da es als Ausgangspunkt für die russischen Zerstörer benötigt wurde. Die vier 130 mm Geschütze sind zwar gut, aber auf nur zwei Türme verteilt, was einen Ausfall schwerwiegend macht, denn man verliert damit gleich die Hälfte seiner Schlagkraft. Dafür hat man ein gutes Schadenspotential, denn die Durchschlagskraft der Geschosse ist, wie bei den russischen Geschützen allgemein, höher als bei den meisten anderen Nationen und auch die Nachladezeit ist durchaus ansehnlich. Etwas mehr Geschütze führt auf Stufe zwei dann die Novik ins Feld (acht Einzelgeschütze), allerdings reduziert sich das Kaliber auf 120 mm, was sich im Schadenspotential aber kaum bemerkbar machen wird, da in diesen Stufen die Panzerung in der Regel noch sehr gering ist. Außerdem sind die hochexplosiven Geschosse vom Schaden nur wenig von dem der panzerbrechenden Geschosse entfernt, so dass man mit der Novik gut seinen Gegner auch mit einem Hagel aus hochexplosiven Geschossen eindecken kann. Dabei kommt die geringe Ruderstellzeit zum tragen und die hohe Reichweite der Geschütze. Gerade der letzte Punkt wird angesichts des teilweise geringen Kalibers der Geschütze ein wichtiger Faktor, denn seit die Fähigkeit “Verbesserte Schießausbildung” nur mehr bis 139 mm wirkt, bekommen die russischen Kreuzer hier einen deutlichen Vorteil, wenn sie mit dieser Fähigkeit arbeiten.

1_Orlan 2_Novik

Stufe III und IV

Sollte sich nicht sehr viel ändern, dürften die Zeiten der St. Louis als Paradebeispiel für ein dominantes Schiffe in seiner Stufe abgelaufen sein, denn die russische Bogatyr auf Stufe drei führt nicht nur mehr Geschütze ins Feld und verfügt über mehr Geschwindigkeit, sondern bietet auch eine höchst spannende Alternative an. Die Grundausstattung bilden 152 mm Geschütze, die bereits über mehr Reichweite verfügen als alle anderen Kreuzer dieser Stufe, aber ausgebaut kann man die Geschütze gegen 130 mm Kanonen tauschen, deren Reichweite identisch ist. Dazu schießen diese schneller und wie schon weiter oben erklärt, erhält man auf diese den Reichweitenbonus der Fähigkeit “Verbesserte Schießausbildung”, womit sich das die Bogatyr bequem außerhalb der Reichweite der meisten Schiffe bewegen und gefahrlos diese mit Salven eindecken kann. Nur wenig besser wird es dann mit der Svietlana auf Stufe vier, denn auch wenn es weiterhin nur 130 mm sind, so darf man die Durchschlagskraft der Munition nicht unterschätzen und vor allem die Anzahl von fünfzehn Geschützen ist nicht gerade gering. Zwar ist die Svietlana mit 29 kn schneller als ihr Vorgänger, aber kommt damit nicht an die japanische oder amerikanische Konkurrenz heran, weshalb der Reichweitenvorteil schneller verloren geht. Für besonders aufdringliche Zeitgenossen verfügen die russischen Kreuzer von Stufe vier bis neun über Torpedos, die allerdings mit 3 km Reichweite eher selten zum Einsatz kommen dürften.

3_Bogatyr 4_Svietlana

Stufe V

Auf Stufe fünf erwartet den Spieler eine gewaltige Umgewöhnung, denn die Kirov führt das ungewöhnlich Kaliber von 180 mm Geschützen ins Gefecht und davon gleich neun Stück in drei Türmen. Da sich die Wendigkeit des Schiffes aber vor allem die Schussfrequenz drastisch verschlechtern, wird man seine Spielweise hier deutlich ändern müssen. Mit 20 Sekunden Nachladezeit will jeder Schuss gut gezielt sein, damit der sehr gute Schaden der panzerbrechenden Geschosse auch zum Tragen kommt. Hierbei helfen einem die gute Geschwindigkeit des Schiffes und die große Reichweite der Geschütze, was wie erwähnt auch dringend nötig ist. Die Flugabwehr der Schiffe ab Stufe fünf wird langsam aber sicher ein Faktor, den man berücksichtigen muss und hier fällt auf, dass die russischen Kreuzer ab der Kirov ganz ordentlich aufgestellt sind. Zwar verfügen sie nicht über die schlagkräftigsten Flak-Bewaffnungen, aber ihre Reichweite ist ziemlich gut und ein guter Teil davon liegt über dem Kaliber von 85 mm, welches die Grenze ist für die Wirksamkeit der Fähigkeit “Manuelles Feuern der Flak-Bewaffnung”.

5_Kirov

Stufe VI

Hat man sich an die Kirov auf Stufe fünf gewöhnt, wird man auf nächsten Stufe teilweise wieder zurück geholt in die Spielweise der Stufen eins bis vier, denn das Kaliber geht auf die bekannten 152 mm zurück (bei dem es bis Stufe acht auch bleibt), was sich positiv in einer geringen Nachladezeit bemerkbar macht. Das erste Schiff welches diese für die Spielweise bestimmenden Charakteristika bietet ist die Budyonny, die zum Glück die hohe Reichweite der Geschütze beibehält, aber leider auch die schlechte Wendigkeit. Von daher wird man die russischen Kreuzer ab hier weniger als flinke Frontschweine erleben, die geschickt den Schüssen ausweichen, sondern eher als Fernkämpfer die sich auf Reichweite und Durchschlagskraft ihrer Geschosse verlassen. Während sich die Flugabwehr stetig verbessert, bleiben die Torpedos mit (nun 4 km Reichweite) eher schmückendes Beiwerk denn ernsthafte Waffe.

6_Budyonny

Stufe VII bis VIII

Die Schiffe der Stufen sieben und neun könnte man fast ein wenig als Geschwister bezeichnen, denn sie sind sich ziemlich ähnlich und das bezieht sich nicht nur auf die Optik. Ein wenig erinnert diese Reihenfolge an die amerikanischen Kreuzer der Stufen sieben bis neun, die auch alle drei fast identisch in der Auslegung sind, wobei das erste Schiff eine Art Vorbotenrolle übernimmt und noch nicht ganz das Potential der späteren beiden bietet. Hier ist es ebenso, denn Shchors und Chapayev haben vier Türme mit je drei Geschützen und damit einen mehr als die Budyonny auf der Stufe davor.  Ansonsten verbessern sich nur die Zahl der Sturkturpunkte, die Reichweite der Geschütze, welche weiterhin der Garant für das Überleben dieser doch großen und trägen Kreuzer ist (auch wenn die Wendigkeit sich langsam der anderer Nationen annähert). Im Kaliber stecken die russischen Kreuzer weiterhin zurück, denn es bleibt, wie weiter oben schon erwähnt, bei den 152 mm, die aber weiterhin nicht zu unterschätzen sind. Zwar reichen Schaden und Durchschlagskraft der panzerbrechenden Munition nicht an zum Beispiel die der deutschen Kreuzern heran und auch der Schaden der hochexplosive Munition ist nicht exorbitant hoch, aber die Menge der Geschosse ist es, was gefährlich wird.

7_Shchors 8_Chapayev

Stufe IX

Fast könnte man die Dmitri Donskoi auf Stufe neun zu den beiden Schiffen davor zählen, wären da nicht ein paar wichtige Änderungen, die spannenderweise aber kaum Einfluss auf die Spielweise nehmen. Zum einen werden die Torpedos mit 8 km Reichweite auf einmal nützlich, auch wenn Geschwindigkeit mit 55 kn recht gemächlich und die Nachladezeit mit fast zwei Minuten hoch ist. Zum anderen aber steigt das Kaliber der Hauptgeschütze auf die 180 mm, die wir schon aus Stufe fünf kennen. Die Zahl der Türme und Geschütze pro Turm bleibt, wie auch die gute Reichweite aus der Stufe davor, dafür steigt die Nachladezeit deutlich an, was aber angesichts des deutlich gestiegenen Schadenspotential verschmerzbar ist. Vor allem auch, da die Nachladezeit sich knapp unter der Nachladezeit der Kreuzer der anderen Nationen bewegt. An der Spielweise wird sich auch mit der Dmitri Donskoi wenig ändern und dank der guten 36 kn Geschwindigkeit wird es sogar einfacher Gegner auf Distanz zu halten oder vor Schlachtschiffen mit höherer Reichweite zu fliehen.

9_Dimitri_Donskoi

Stufe X

Zum Abschluss der Kreuzerreihe gibt es ein weiteres Kuriosum und das in mehrfacher Hinsicht. In Sachen Kaliber führt die Moskva neun 220 mm Geschütze mit sich, was die Grenze von 203 mm für Kreuzer erneut durchbricht (bisher war die Yorck mit 210 mm die einzige Ausnahme dieser Regel). Dazu schießen diese Kanonen noch sehr schnell (etwa 10,5 Sekunden Nachladezeit) und bieten den deutschen panzerbrechenden Geschossen beim Schaden spielend Paroli. Zwar sind es nur drei Geschütze in drei Türmen, aber sehr hohe Reichweite und massiven Durchschlagskraft machen zusammen mit der hohen Geschwindigkeit des Schiffes aus der Moskva einen Gegner, der auch von Schlachtschiffen besser nicht unterschätzt werden sollte. Größter Nachteil dieses russischen Stufe zehn Kreuzers dürfte aber die schiere Größe des Schiffs sein, denn es ist kaum kleiner als eine Yamato oder Montana, ohne jedoch über deren Panzerung zu verfügen. Zwar sind die Sturkturpunkte mit 65.400 massiv höher als bei allen anderen Kreuzern, aber diese sind angesichts der Ausmaße und der Trägheit der Moskva auch bitter nötig. Passend zu den Maßen eines Schlachtschiffes, hat der russischen Kreuzer der Stufe zehn auch keine Torpedos mehr, was aber angesichts des Abstandes, den man gewöhnlich zu seinen Zielen suchen sollte, auch kein wirklicher Verlust sein sollte.

10_Moskva

Fazit

Was bei den russischen Kreuzer auffällt ist, dass sie viele Geschütze bieten, gute Reichweite und schnell schießen. Allerdings ist die Entwicklung über die Linie hinweg nicht gerade kontinuierlich, vor allem was das Kaliber angeht. Der Sprung mit 180 mm bei Stufe fünf, das kleine Kaliber in den Stufen sechs bis neun (152 mm bis acht, dann 180 mm bei neun) und die doch für Kreuzer eigentlichen kuriosen 220 mm am Ende bei der Moskva sind wohl der deutlichste Unterschied zu den Kreuzern der anderen Nationen. Aber auch Schiffe wie die Bogatyr auf Stufe drei dürften aus der Masse heraus stechen und für Spaß und Freude bei den Spielern sorgen, sofern sie sich am richtigen Ende der Geschütze befinden. Betrachtet man die Reihe, so fügt sich der bereits veröffentlichte Stufe acht Premium-Kreuzer, die Mikhail Kutuzov, wunderbar in diese Reihe ein, auch wenn die Frage erlaubt sein muss, warum dieses Premium-Schiff in jeder Hinsicht so viel besser ist als das reguläre Schiff der Stufe acht. Wie dem auch sei, WG führt mit den russischen Kreuzern eine weitere Kreuzerart ein, die auf Entfernung baut und damit stehen diese in Konkurrenz mit den deutschen Kreuzern, auch wenn der Schaden der panzerbrechenden Munition nicht ganz an die letzt genannten heranreicht. Dafür ist die hochexplosive Munition bei den russischen Kreuzern gar nicht so unbrauchbar und erlaubt auch ungünstig stehenden Zielen eine ordentliche Schelle mitzugeben. Auf alle Fälle sind die russischen Kreuzer auf Krawall gebürstet und sollen ordentlich Schaden austeilen, wobei man sich nicht in Versuchung führen lassen sollte den Gegner zu nahe an sich herankommen zu lassen, denn wie bei den deutschen Kreuzern ist es mit dem Schutz nicht so ganz weit her.

(Stand: Version 0.5.3.1)

12 Gedanken zu „Überblick – Die russischen Kreuzer

  1. Danke für diese Zusammenfassung 😉 Im Forum ist das einfach zu mühseelig mit dem ganze “Russen sind OP” Geheule.

    Leider stinkt es mir (und anderen Leuten sicherlich auch), dass jetzt doch DIE Seenation der 1910er bis 50er Jahre ihren Kreuzerbaum bekommt und die Royal Navy guckt wieder in die Röhre!

    1. Gerne doch. 🙂 Die Russen jetzt schon als OP zu bezeichnen ist glaub ich verfrüht und viele nehmen dabei die MK als Beispiel. Vergleicht man aber die Werte, so sticht die MK das reguläre tier 8 Schiff aber komplett aus und ist daher nicht gerade als Beispiel geeignet. Vor allem aber das handling der Schiffe können die Foren-User nicht beurteilen und gehen nur nach Zahl der Geschütze usw.

      Dass die Royal Navy erst danach kommen würde ist eigentlich schon lange klar, nur haben viele die Aussagen von WG falsch verstanden und gedacht, deren Kreuzer würden zuerst kommen. Das wurde aber so nie gesagt, sondern nur, dass die Briten a) als nächste Nation kommen und b) bei den Briten die Kreuzer zuerst. Eigentlich waren die ja sogar erst für Ende 2016 angedacht und sollen nun Q1/Q2 2016 schon kommen. Wurden also vorgezogen.

      Dass die Russen erst einmal bedient werden dürfte einfach auch eine Frage des Marketing sein, denn immerhin ist und bleibt der russische Markt für WG extrem wichtig und stark.

      1. Auch von mir danke für die Zusammenfassung. Deine Aussage das die Royal Navy eventuell Q1 oder Q2 2016 erscheinen lässt mich weiter hoffen.

  2. Hallo,

    erst einmal ein Lob für deine informative Seite. Ich bin erst seit Januar WOWS unterwegs und habe eine Frage zu den Stellplätzen im Hafen. Die sind bei mir immer knapp, da ich versuche auf jedem Tier (außer 1) ein Schiff zu behalten Daher frage ich wenn es einen neuen Forschungsbaum gibt, gibt es auch einen Stellplatz 4 free mehr oder muss man sich die Stellplätze immer für Dublonen bzw. via Premium-Schiffen holen? Danke und Gruß

    1. Danke schön für das Lob, das freut mich.

      Es wird nur dann einen (und auch nur einen) Stellplatz dazu geben, wenn eine neue Nation eingeführt wird, bei der es ein neues Startschiff gibt (z.B. vermutlich noch im ersten Halbjahr 2016 die Briten). Ansonsten müssen Stellplätze immer gekauft werden.

  3. Vielen Dank für den Überblick. Was mich interessieren würde, welche Kapitänsfähigkeiten würdest Du diese heterogene Linie wählen? Danke!

    1. Herzlich gerne!

      Die Fähigkeiten des Kapitäns sollten sich auf die Stärken konzentrieren und auch wenn sich das Kaliber von erst 130 mm auf 152 mm und mit IX auf 180 mm und X auf 220 mm ändert, machen sowohl am Anfang als auch später die “Schieß-Grundausbildung” (Stufe 1) als auch die “Verbesserte Schießausbildung” (Stufe 4) durchaus Sinn. Denn zu Beginn werden damit die Hauptgeschütze und später die recht gute Luftabwehr noch einmal verbessert. Auf Stufe 2 sehe ich keinen Weg an “Eliteschütze” vorbei, denn die Türme können mehr Drehgeschwindigkeit brauchen, denn die recht hohen und großen Schiffe müssen sich viel bewegen um Schaden zu vermeiden. Auf Stufe 3 wird denke ich spätestens ab Stufe VIII wegen dem Radar und der ab Stufe IX dringend nötigen Heilung kein Weg an Insepkteur vorbei führen.

      “Sprengexperte” mag sinnvoll erscheinen, aber denke ich sollte man sein lassen, da der Zuwachs an Brandchance einfach recht gering ist, auch wenn man viel HE schießen wird. Ob man nun eine Fähigkeit auf fünf nimmt oder nicht, darüber kann man streiten, denn mit “Verbesserter Schießausbildung” und “Manuelle Steuerung der Flak-Geschütze” stehen zwei mächtige 4er Fähigkeiten bereit, die man beide nehmen könnte.

      Unterm Strich würde ich sagen, dass die russischen Kreuzer recht identisch zu bestücken sein werden wie amerikanischen Kreuzer, da die Torpedos zu stärken bei den russischen Kreuzern eher unnötig ist, da diese nur Beiwerk sind und bis auf eine späte Ausnahme auf IX einfach zu wenig Reichweite haben um wirklich von Bedeutung zu sein.

      1. Vielen Dank, das war ja eine super schnelle Antwort. Dann bleibt ja nur noch den Artikel über die Kapitänsausbildungspräferenzen zu aktualisieren 😉

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