Update zur Lage der Graf Zeppelin

Die Graf Zeppelin hat ja einige Gemüter erhitzt und zwar leider so sehr, dass sogar ein Commuity Contributor in Amerika aus dem Programm genommen wurde. Die Zentrale von Wargaming.Net (WG) hat sich inzwischen der Sache angenommen und einige Dinge klar gestellt und regelt alle Teile der Angelegenheit “Graf Zeppelin” nun direkt und das ist einer – meiner Meinung nach – recht vernünftigen Art und Weise. Das wird jetzt nicht sofort dazu führen, dass das Schiff brauchbar wird, aber der Weg dahin ist vorgezeichnet und vor allem ist der Wille bei WG da hier entsprechend nachzubessern und jeder der das Schiff schon hat und es behalten will, darf an dem Prozess teilhaben. Einen bisher ungewöhnlichen Schritt bei World of Warships (WoWS) macht WG auch mit dem uneingeschränkten Rückgabe-Recht, dass sie erstmals so in dieser Form anbieten. Dazu mehr weiter unten im Text, aber erst einmal möchte ich zusammenfassen was passiert ist.

Was ist überhaupt passiert?

Als die Graf Zeppelin das erste Mal in den Test auf dem live-Servern ging (das ist die erste Version über die ich sprechen darf, denn alles aus dem Supertest bleibt unter Verschluss), hatte sie noch zwei Staffeln Jäger und drei Staffeln Torpedobomber und war damit für Schiffe jeder Art zu gefährlich. Das besondere Abwurfmuster in Kreuzform und die Masse an Torpedos (drei Staffeln a fünf Flieger) machte es dem Ziel extrem schwer Treffer zu vermeiden und selbst schnelle Zerstörer waren recht einfach zu erwischen.

In der zweiten Fassung wurden die Torpedobomber gegen Sturzkampfbomber ersetzt und zwar mit der Wahlmöglichkeit zwischen hochexplosiven und panzerbrechenden Bomben und bei beiden war der Abwurfkreis sehr klein (sowohl beim automatischen aber vor allem beim manuellen Abwurf), mit anderen Worten sie waren sehr genau. Dies zusammen führte dazu, dass die panzerbrechenden Bomben vor allem auf deutsche Schlachtschiffen eine mehr als verheerende Wirkung hatten, wie dieser kleine Ausschnitt aus meinem Stream zeigt:

Es war allen klar, dass diese Versionen des Schiffes nicht für einen Verkauf geeignet sind, denn sie waren beide viel zu stark, auch wenn bei beiden die Jäger wirklich nicht gut waren, aber das reichte als Ausgleich nicht.

Allerdings drängte nun die Zeit (es war bereits die Woche vor der GamesCom 2017 angebrochen), denn WG wollte die Graf Zeppelin als deutsches Premium-Schiff zur GamesCom 2017 in den Premium-Laden bringen um einer Tradition zu folgen, wie sie es sagen. Damit standen sie vor einem Dilemma, bei dem sie nur zwischen drei unschönen Varianten wählen konnten: 1. Kein Schiff bringen (das war von WG nicht gewünscht), 2. Das Schiff verkaufen wie es ist und später abschwächen (das kommt überhaupt nicht gut an) oder 3. Das Schiff verkaufen, aber mit einer ungetesteten Mechanik abgeschwächt. Im Nachhinein wird WG wohl sagen “leider” haben sie sich für das Tor drei entschieden.

Damit kam die Version der Graf Zeppelin heraus, die es bis gestern spät Abends noch zu kaufen gab und die aktuell auf den live-Servern zu finden ist und das ist die Version mit der Wahl zwischen den hochexplosiven Bomben mit einem kreisförmigen Abwurf und den panzerbrechenden Bomben mit einer Verzögerung. Genau diese Verzögerung ist die neue Mechanik, denn zwischen Abwurf der Bomben und Aufschlag vergehen fünf Sekunden und in der Zeit kann selbst ein Schlachtschiff noch hinreichend weit seinen Kurs ändern und damit dem Angriff komplett entgehen. Diese Spielmechanik ist nichts anderes als eine faktische Vergrößerung des Abwurfbereiches, aber eine in der Art die dazu führt, dass man entweder alles oder gar nichts trifft und das ist dann kein gutes Spielerlebnis sondern führt nur zu Frust.

Was hat WG nun getan?

Heute Nacht haben drei der obersten Herren (Daniil Volkov, Alexander Nikolaev und Artur Plociennik) für WoWS einen Brief an die Spieler veröffentlicht und dabei sich nicht nur entschuldigt, sondern den Weg beschrieben mit der die Graf Zeppelin gerettet werden soll. Ich werde darauf verzichten den ganzen Beitrag zu übersetzen, aber die wichtigen Punkte möchte ich mit eigenen Worten wiedergeben und vielleicht kommentieren:

  1. Sie sehen ein, dass die Veröffentlichung der Graf Zeppelin in dieser Art und Weise und aus dem Zeitdruck heraus nicht gut war und es ihr Fehler war, dass Sie die letzten Änderungen (die Verzögerung beim Abwurf) daher nicht durch die üblichen Tests haben laufen lassen.
  2. Sie entschuldigen sich bei iChase für die Art und Weise wie mit der Kritik daran umgegangen wurde. Zwar hat sich iChase etwas im Ton vergriffen, allerdings war die Reaktion darauf ebenso etwas überzogen und ich denke wenn beide Seiten ein wenig Charakter zeigen, kann man das mit einem Händeschütteln als “passiert in der Hitze des Gefechts” ad acta legen und daraus für die Zukunft lernen.
  3. Die Graf Zeppelin ist vorerst nicht mehr im Premium-Laden zu kaufen, denn sie wird erst überarbeitet (dazu unten mehr)
  4. Rückgaberecht: Für alle Spieler die sich die Graf Zeppelin gekauft haben besteht ab sofort die Möglichkeit das Schiff wieder zurück zu geben und das Geld wieder zu bekommen. Egal wie viele Runden sie mit dem Schiff schon gefahren sind! Dazu gehen alle die das tun wollen auf die Support-Seite und erstellt dort nach dem Einloggen unter “My Tickets” ein Ticket für “WoWS” => “Billing Support” => “Refund” => “Refund” => “Problem Not Solved” => “Refund” in “Help Topics: Billing”. Aber vielleicht wartet ihr auch, denn es gibt auch eine andere Option.

Was passiert nun?

Das Schiff wird ja nicht komplett aus dem Spiel verschwinden, sondern WG will es anpassen, verbessern und damit spielbar machen und jeder der die Graf Zeppelin bereits hat und behält, kann an dem Prozess teilhaben und wird am Ende sogar ein wenig belohnt.

  1. Alle Besitzer einer Graf Zeppelin werden in der nächsten Zeit in eine spezielle Facebook-Gruppe eingeladen in der über die Änderungen informiert und vor allem diskutiert werden soll. Dort werden auch Entwickler, Supertester (ST) und Community Contributoren (CCT) mit dabei sein und das ist das erste Mal, dass WG hier ein Forum schafft in dem alle verschiedenen Teile des am Spiel beteiligte Gruppen an einem (virtuellen) Tisch sitzen.
  2. Wenn die passenden Änderungen gefunden und umgesetzt sind, wird die Graf Zeppelin damit für alle Besitzer live gehen und drei Monate lang nicht verkauft werden. Das Schiff wird also für alle die sie behalten haben in dieser Zeit exklusiv bleiben.
  3. WG will eine besondere permanente Tarnung erstellen, die nur den Spielern gegeben werden soll, die sie behalten haben und beim “Korrekturprozess” mitgemacht haben. Dabei soll die Tarnung wohl zumindest teilweise auch von diesen Spielern mit bestimmt werden.

Meine Meinung

Erst einmal stelle ich die Frage ob meine Meinung überhaupt wichtig oder relevant hier ist, da ich eh alle Schiffe sammle und die Graf Zeppelin eh nun geändert wird (wie auch immer das Ergebnis ausehen wird). Nun, ich möchte mich dennoch dazu äußern, auch wenn ich den ganzen iChase Aspekt ausklammere, denn mir geht es mehr um das Spiel.

Ich kann WG verstehen, dass sie unbedingt ein deutsches Schiff zur GamesCom in den Premium-Laden bringen wollten, denn es passt einfach zu gut und die Graf Zeppelin wäre dazu echt wunderbar geeignet. Nicht nur ist sie ein Schiff, dass viele Spieler kennen und erwarten, sie wäre auch frei von jedem Verdacht, dass es sie nur die Kopie eines bereits bestehenden Schiffes wäre. Aber angesichts des deutlich zu engen Zeitfensters vor der Messe hat sich WG meiner Meinung nach unnötig viel Druck aufgebaut, was dann zu einer meiner Meinung nach unklugen Entscheidung geführt hat, dass man das Schiff künstlich verschlechtert um es später dann verbessern zu können, statt es komplett überzogen stark in den Handel zu bringen.

Auch hier kann ich WG verstehen, dass es cleverer ist ein schlechtes Schiff später zu verbessern als ein zu starkes Schiff zu verschlechtern, allerdings hätte man absehen können, dass eine schlechte Graf Zeppelin auf alle Fälle auch eine Menge Ärger bedeuten wird. Vielleicht wäre es an der Stelle besser gewesen in Zusammenhang mit dem Abzug der König Albert (Stufe drei Schlachtschiff) aus dem Premium-Laden eine Art “Räumungsverkauf” zu machen und diese noch ein letztes Mal anzubieten, statt einer Graf Zeppelin mit einer ungetesteten Mechanik. Am Ende stand man, auch befeuert von entsprechenden Bewertungen durch Community Contributoren, vor einem ziemlichen Scherbenhaufen, auch weil WG erst einmal auf dem Standpunkt blieb, das Schiff sei in Ordnung und nicht “kaputt” und man solle erst einmal damit üben.

Wie dem auch sei, WG hat nun durch Artur Plociennik, Daniil Volkov und Alexander Nikolaev sich sowohl entschuldigt als auch einen Plan präsentiert wie man mit der Situation umgehen will. Natürlich kann man sagen, die Entschuldigung sei billig und nicht wirklich was wert, aber das wäre in meinen Augen unfair gegenüber WG und den Personen dort, denn eine Entschuldigung sollte man immer annehmen. Hier vor allem geht diese auch mit einer Erklärung und vor allem einer Ankündigung einher, wie es weiter gehen soll. Sowohl die uneingeschränkte Möglichkeit der Rückgabe des Schiffes, als auch die Ankündigung was die Spieler die sie behalten tun können (wenn sie wollen) ist ein Lob wert, zumindest von mir gibt es das.

Natürlich bleibt abzuwarten wie WG nun diese Facebook Gruppe umsetzen wird und wie weit durch Diskussionen, Umfragen, Testes und so weiter die Spieler an der Suche nach einer funktionierenden Graf Zeppelin beteiligt werden, aber WG sagt schon, dass dies ein erster Testlauf ist. Und genau hier sehe ich eine Chance aus diesem “Unglück” der “causa GZ” einen positiven Effekt zu ziehen – und dabei geht es weniger um dieses Schiff selber, denn dass eine Möglichkeit gefunden wird, wie das Schiff gut ausbalanciert ins Spiel wieder kommt, das steht außer Frage. Viel mehr geht es darum, dass die Spieler, die sich entscheiden die Graf Zeppelin zu behalten, das Angebot von WG auch annehmen und aktiv mitarbeiten, auch wenn nicht jeder eigene Vorschlag sofort von den Entwicklern aufgegriffen, beantwortet oder umgesetzt wird. Vielleicht erweist sich diese Art der direkten und etwas ungefilterten Kommunikation zwischen Entwicklern und Spielern als produktiv und gut, so dass sie für künftige Projekte, Ideen und Probleme als Lösungsplattform dienen könnte. Das wäre dann, bei allem Ärger um die Graf Zeppelin, ein positives Nebenprodukt und ich hoffe daher, dass sowohl die Spieler als auch WG diese Chance ernst nehmen und konsturktiv und nicht verbittert und verfeindet an die Sache heran gehen.

10 Gedanken zu „Update zur Lage der Graf Zeppelin

  1. Hey Hurz,

    ja das Teil ist echt ein Unding von Schiff. Gut das ich keine CV´s fahre aber ich kann jeden Spieler/in verstehen der/die sich dreuf gefreut haben. Aber bei der König Albert habe ich doch nochmal zugeschlagen … ein sehr schönes Schiff in weiß. Weißt du warum die verschwunden ist aus dem Shop?

    1. Warum die König Albert entfernt wurde kann ich dir echt nicht beantworten und die Antwort “weil sie zu stark ist” kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Daher kann das evt. andere Gründe gehabt haben, aber welche … uff … ich glaube da müsste ich würfeln.

  2. Finde sehr gut, dass WG sich das Schiff noch einmal vornimmt. Kann aber auch alle seiten verstehen, wie es dazu gekommen ist.
    Ist unterm Strich das kleinere Übel, wenn man ein Schiff im nachhinein verbessert, als es schlechter zu machen.
    Ich werde meine auch behalten. Mal schauen, was draus wird und wie lange es dauert.
    Nur schade, wenn man kein Facebook hat (hatte ich mal, aber konnte dem rein gar nichts abgewinnen). Hätte gern bei der “Entwicklung” rein geschaut. Das heutzutage immer überall angenommen wird, das man bei Facebook ist, ist echt schade 🙁

    1. Ich behalte sie auch … müsste sie eh neu kaufen und ne gratis Tarnung nehm ich gerne mit. Außerdem will ich natürlich bei der Entwicklung mit dabei sein … wobei ich das vermutlich eh wäre.

      Facebook ist einerseits eine gute Wahl, da Infos da leicht geteilt und verbreitet werden können, allerdings stimmt es natürlich, dass die Annahme man wäre da eh, ist etwas vermessen. Aber ich denke die Infos zu Umfragen usw. werden dich vermutlich auch so erreichen. 🙂

    2. @ Torge
      Na dann erstell’ Dir doch einen Account dafür – warum nicht?! Solange Du keinen Pass hin schicken musst, kannst Du das doch machen für den guten Zweck.
      Namensvorschlag: Ferdi Zepp
      😉

      1. Die Idee ist eigentlich nicht so verkehrt.
        Mal schauen, wann es denn tatsächlich los geht, und wie es dann laufen wird. Eventuell mache ich das sogar 😉

  3. Danke guter Artikel und ich teile die Meinung, dass WG eine akzeptabel gute Lösung anbietet. Allerdings sehe ich die Möglichkeiten der direkten Kommunikation zwischen Kunden und Entwicklung begrenzt in ihrer tatsächlichen Möglichkeiten und werte diese eher in der Kategorie “Marketing”. Das sage ich so mit 25 Jahren Berufserfahrung als Software-Entwickler, der auch so manchen direkten Kontakt zu Kunden hat. Dann allerdings eher im Support, ansonsten ist das ein sehr schwieriges Unterfangen ohne das Zuarbeiten von integrative Kräften, die die Ideen von Kunden kanalisieren. Aber vielleicht ist ja WG besser in solchen Dingen als die Firma für die ich arbeite.

    1. Die Herausforderung beschreibst du genau richtig, das sehe ich auch so, allerdings haben die CM/CC von WG hier ja schon einige Erfahrung und dürften die Hauptschnittstelle sein um die Infos zu bündeln, zu sortieren und dann gefiltert (nicht jede Idee muss 1294mal weitergeleitet werden) den Entwicklern zu geben. Oder eben die Infos der Entwickler an die Spieler weiter zu geben. Ich denke auch es ist zum Teil ein “Marketing-Gag”, aber mit einem ernsten Hintergrund und der Überlegung: “Warum versuchen wir es nicht mal so?”.

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