Ab zum Kiilholen!

Ok, der Witz beim Titel ist schlecht, das gebe ich gerne zu. Aber das soll nicht heißen, dass die mangelnde Qualität des Wortspiels auch auf das neueste Premium-Schiff bei World of Warships (WoWS) zu übertragen wäre. Wargaming.Net (WG) beglückt nämlich seit heute Freunde der japanischen Schlachtschiffe höherer Stufen mit einem Neuzugang: der Kii. Dieses Stufe acht Schlachtschiff der gleichnamigen Klasse ist nicht nur optisch der Amagi (dem regulären japanischen Stufe acht Schlachtschiff) wie aus dem Gesicht geschnitten, sondern ist aus gutem Grunde in vielen anderen Punkten sehr ähnlich. Daher muss man die Kii fast schon zwangsweise mit der Amagi vergleichen und wird dabei einige Abweichungen feststellen, die nicht unerheblichen Einfluss auf die Spielweise haben. Dazu aber später mehr und wir starten erst einmal mit der – sehr kurzen – Geschichte der Kii.

Die Geschichte

Eine echte Geschichte des Schiffes gibt es gar nicht, denn es wurde nie fertig gestellt und die vier Schiffe deren Bau begonnen wurde, sind nicht über die Kiellegung hinaus gekommen. Als die US Navy Ende der 1910er Jahre begann ihre Flotte auszubauen, wollte man auch in Japan aktiv werden und stockte das “acht-sechs” Programm (acht Schlachtschiffe, sechs Schlachtkreuzer) zum Bau neuer Schiffe zu einem “acht-acht-acht” Programm auf. Bereits vorher flossen etwa ein Drittel des Haushaltes der japanischen Marine in den Bau vier neuer Schlachtschiffe (Nagato- und Tosa-Klasse) und Schlachtkreuzer (Amagi-Klasse) und nun sollten noch einmal acht neue schnelle Schlachtschiffe dazu kommen. Eine Aufgabe, welche die Wirtschaft bzw. den Haushalt Japans massiv belasten würde und dennoch erging die Genehmigung dazu bereits 1920. Nur zwei Jahre später aber wurde der Marineabrüstungsvertrag von Washington geschlossen und damit der Bau dieser Schiffe gestoppt und auch nie wieder aufgenommen.

Wie bereits erwähnt ähneln sich Kii und Amagi, denn die Kii ist auf Basis der Amagi-Klasse entwickelt worden und trägt viele Merkmale dieses Schiffes, wie zum Beispiel die gleichen Türme und Kanonen und das fast identische Grunddesign. Obwohl gleich lang geplant, sollte die Kii ein wenig schwerer werden und zwar zu Gunsten von mehr Panzerung (allerdings nur an bestimmten Stellen), was aber auch ihre Geschwindigkeit etwas reduzieren würde. Die berechneten 29,75 kn hätten aber nur knapp unter den 30 kn der Amagi gelegen und hätten aus der Kii ein für die Zeit schnelles Schlachtschiff gemacht. Als Bewaffnung wurden wie bei der Amagi die 410 mm Geschütze gewählt, auch in fünf Türmen zu je zwei Geschützen und auch die Sekundär- und Flak-Bewaffnung waren identisch gewählt. Ob diese Planungen angesichts der steigenden Gefahr durch Flugzeuge gehalten hätten oder noch einmal angepasst worden wären, kann man heute nicht mehr sagen.

Das Schiff im Spiel

Angesichts der Geschichte bzw. der Planungen ist es nicht verwunderlich, dass die Kii sehr ähnliche Werte im Spiel hat wie die Amagi, allerdings fallen bereits hier einige Unterschiede auf. Wenn man dann ins Detail geht, dann werden noch weitere und nicht ganz unwichtige Abweichungen offenbar, dazu aber später.

Stukturpunkte: 68.200
Panzerung: 13 mm bis 356 mm

Hauptgeschütze: 5 x 2 410 mm
Reichweite: 19.4 km
Drehgeschwindigkeit (180 Grad): 45 s
Nachladezeit: 31 s

Torpedowerfer: 2 x 3 610 mm
Reichweite: 6 km
Geschwindigkeit: 63 kn
Nachladezeit: 90 s

Sichtbarkeit (Schiff): 17.8 km
Sichtbarkeit (Flieger): 13.7 km

Höchstgeschwindigkeit: 29.5 kn
Ruderstellzeit (180 Grad): 15.9 s
Wenderadius: 880 m

Die Werte für die Geschütze, die Sturkturpunkte, Panzerung und so weiter bergen jetzt nicht gerade große Überraschungen, auch wenn die Kii bei den Geschützen was Reichweite und Nachladezeit leichte Abstriche gegenüber der Amagi machen muss und somit etwas hinter den anderen Schlachtschiffen der Stufe acht zurück fällt. Allerdings ist der Abstand nicht so gravierend groß wie es klingen mag. Was aber nicht zu übersehen ist, sind die Torpedowerfer auf beiden Seiten (je einer mit drei Rohren) mit der sich für die Kii ganz offensichtlich neue Möglichkeiten ergeben, auch wenn diese nur sechs Kilometer Reichweite haben. Damit ist die Kii das zweite Schlachtschiff auf der Seite der Japaner (nach der Mutsu) und das zweite auf Stufe acht (nach der Tirpitz), das über Torpedos verfügt und damit im Nahkampf für eine kleine Überraschung sorgen kann. Außerdem ist der Abwurfwinkel, im Gegensatz zu dem bei der Mutsu, ziemlich weit und damit muss man nicht so sehr seine Breitseite zeigen, wenn man diese einsetzen will.

Überhaupt sollte man es vermeiden die Breitseite zu offen zu präsentieren, denn auch denn der Gürtel der Kii etwas besser gepanzert ist als bei der Amagi, ist die innere Panzerung der Zitadelle (zusammenfassend englisch “turtle back armor” genannt) etwas schwächer. Das macht sie gegen Feuer von der Seite etwas verwundbarer und erklärt die paar Stukturpunkte mehr die sie hat als Ausgleich. Dennoch sollte man die Panzerung der Kii nicht unterschätzen, wenn man sie als Ziel hat, denn sie kann, gut angewinkelt, durchaus einige Treffer wegstecken. Schwieriger wird es da für einen Kii Kapitän schon, wenn es um Torpedos geht, denn der Schutz gegen diese ist leider recht schwach (Torpedoschutz Schadensminderung: Kii: 27 %, Amagi: 43 %) und damit ist man ein beliebtes Ziel für Zerstörer. Hierbei wenig hilfreich ist die immense Sichtbarkeit des Schiffes, die auch ohne die Hauptgeschütze abzufeuern nur rund 2 km geringer ist als die maximale Reichweite der Kanonen.

Etwas weniger Angst muss man vor Fliegern und deren Torpedos und Bomben haben, denn die Luftabwehr der Kii ist außergewöhnlich stark. Die 8 2 x 100 mm Geschütze (die auch einen Teil der Sekundärbewaffnung stellen) und die 16 2 x 40 mm lassen schon auf größere und mittlere Entfernung die feindlichen Flugzeuge vom Himmel stürzen, dass meist nur wenige davon wirklich Angriffsreichweite kommen. Hier sticht die Kii sogar manch einen amerikanischen Konkurrenten aus! Etwas schwächer sind dafür die Sekundärgeschütze, denn die 127 mm Geschütze mussten den 100 mm Geschützen weichen, allerdings ein Tausch der sich, wenn man die Luftabwehr anschaut, lohnt.

Meine Meinung

Verpasst man etwas, wenn man die Amagi schon kennt oder im Hafen hat, wenn man die Kii nicht kauft? Ein wenig verpasst man schon, aber nicht so viel, dass ein Kauf Pflicht wäre – so würde ich es zusammenfassen. Klar, die Torpedos klingen erst einmal toll, aber ehrlich gesagt sind ein Dreifachwerfer pro Seite mit 90 Sekunden Nachladezeit mehr eine nette Beigabe für die Fälle, in denen man im Nahkampf mit einem Schlachtschiff oder auch Kreuzer ist. Da kann man den Vorteil schon mal ausspielen, aber sonst sind sie eher unbrauchbar. Viel wertvoller hingegen finde ich ist die Luftabwehr, die wirklich mal ihren Namen verdient und einen unvorsichtigen oder unbedarften Kapitän eines Trägers so manche Staffel kosten wird. Entsprechend ausgebaut wird man sich um die Bomber kaum Sorgen machen müssen.

Was eine Umstellung für erfahrene Kapitäne der Amagi sein wird, ist weniger eine einzelne große Abweichung als die Kombination aus den kleinen Unterschieden zwischen den Schiffen. Etwas weniger Reichweite bei den Geschützen, ein Tick mehr Nachladezeit, etwas weniger Geschwindigkeit, etwas weniger Schutz vor Treffern auf die Breitseite und massiv weniger Schutz gegen Torpedos bilden ein Gesamtpaket, das vom Spieler ein wenig mehr Aufmerksamkeit verlangt. Lässt man sich nicht von Zerstörern überraschen und achtet darauf wann man seinen Feinden die Seite zeigt, kann man die gewohnt mächtigen 410 mm Granaten sicher ins Ziel bringen und so eine einfach nur brachial zu nennende Feuerkraft entfalten.

Insgesamt ist die Kii eine ziemlich runde Sache und hat sowohl Schwächen als auch Stärken und fügt sich sehr gut in die – inzwischen ziemlich beachtliche – Riege an Schlachtschiffen der Stufe acht ein ohne dort die Karten neu zu mischen. Die sehr gute Flugabwehr nimmt einem eine Sorge ab, dafür muss man etwas mehr auf Zerstörer und Schlachtschiffe achten um nicht unangenehm überrascht zu werden und somit hält sich das auch gut die Waage. Ein zwingendes Kaufargument gibt es für die Kii eigentlich nicht, aber auch keinen Grund warum man sie nicht kaufen sollte. Wer gerne japanische Schiffe (und hier vor allem Schlachtschiffe) fährt, der wird sich über die Kii als Alternative zur Amagi als (dank Premium-Status ergiebigere) Quelle für Credits und Erfahrungspunkte freuen.

Beispiele für die Fähigkeiten des Kapitäns

Alle Empfehlungen sind natürlich immer auch im entsprechenden Guide über das Menü zu finden ist und ich hoffe es rundet den Artikel ein wenig ab und spart euch den einen oder anderen Klick. Die Empfehlungen sind auch nur solche und stellen nicht das Maß aller Dinge da oder eine abschließende finale Version, da sich Dinge im Spiel angepasst werden und auch die Spielweisen der Spieler sich ständig ändern.

Stufe 1: Präventive Maßnahmen

Stufe 2: Eliteschütze Adrenalinrausch

Stufe 3: Schießgrundausbildung Inspekteur

Stufe 4: Brandschutz Verbesserte Schießausbildung

Begründung: Warum sollte man bei der Kii nicht ihre Stärke (Luftabwehr) ein wenig weiter ausbauen? Darauf würde ich den Wert legen, wenn ich an die Verteilung der Punkte für meinen Kapitän gehe. Den Anfang lasse ich aber weiterhin “Präventive Maßnahmen” machen, da Ausfälle von Modulen für ein Schlachtschiff nie gut enden und Türme, die beim Nachladen unterbrochen werden, nach der Reparatur wieder bei 0 anfangen. Die Türme der Kii drehen nicht gerade schnell und daher ist “Eliteschütze” für mich unverzichtbar und da die Nachladezeit recht lange ist, würde ich auch auf “Adrenalinrausch” nur ungern verzichten um nicht weiter gegenüber schneller ladenden Schlachtschiffen zurück zu fallen, wenn es hart auf hart kommt. Neben “Inspekteur” auf Stufe drei – für mich wegen der zusätzlichen Reparatur unverzichtbar – macht “Schießgrundausbildung” den Flak-Geschützen noch einmal Feuer unterm Hintern und lässt sie schneller schießen. In die gleiche Kerbe schlägt dann “Verbesserte Schießausbildung” um die Reichweite der Luftabwehrgeschütze noch weiter zu erhöhen und so eine noch größere Flugverbotszone für feindliche Bomber zu schaffen. Da Brände inzwischen ein echtes Problem sind, ist “Brandschutz” eine nicht zu unterschätzende Lebensversicherung. Weniger wegen der geringeren Brandchance als wegen der Zusammenfassung der mittleren beiden Brandzonen zu einer, was die maximale Zahl von Bränden auf drei reduziert.

Eine mehr als denkbare Alternative wäre, dass man “Schießgrundausbildung” und “Adrenalinrausch” gegen “Manuelles Feuern der Flakbewaffnung” und “Vorrangiges Ziel” tauscht. Damit verliert man zwar etwas Feuerkraft bei den 25 mm und 40 mm Flugabwehrkanonen, aber die 100 mm Geschütze bekommen einen mächtigen Bonus, sofern man die Zeit findet die feindlichen Staffeln zu markieren. Was definitiv bei der Kii nicht lohnt sind die Fähigkeiten “Torpedobewaffnungskompetenz” oder “Torpedobeschleunigung”, denn dafür sind die Torpedos zu selten wirklich im Einsatz und die Punkte an anderen Stellen viel häufiger und viel sinnvoller verwendet.

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