Die Südstaatenschönheit – USS Alabama

Als Wargaming.Net (WG) vor einiger Zeit die Ankündigung machte, dass es mit der USS Alabama ein Schiff der South Dakota Klasse in World of Warships (WoWS) geben würde, war erst die Freude groß und dann erfolgte der Aufschrei. Denn eigentlich war das Schiff als Belohnung für einige wenige besonders aktive Supertester weltweit gedacht (Danke der Nachfrage, aber ich gehörte und gehöre mit Recht nicht zu diesem erlauchten Kreis), Spieler die es wirklich verdient haben, dass sie für ihre freiwillige viele Arbeit eine kleine Aufmerksamkeit bekommen. WG lenkte ein und die USS Alabama wird es nun in zwei Ausführungen geben, einmal für alle Spieler erwerbbar als Premium-Schiff und einmal in einer besonderen Version für die Supertester (mit einer ganz besonderen Tarnung) die sie verdient haben. Einerseits schon verständlich, dass jeder jedes Schiff haben können will (Wer außer mir Schiffs-Messie könnte das besser verstehen?), aber es wäre in meinen Augen auch nicht schlimm gewesen, wenn dieses Schiff auch exklusiv für den kleinen Kreis geblieben wäre. Wie dem auch sei, wir werden also in nicht allzu ferner Zukunft die USS Alabama begrüßen dürfen und daher wird es Zeit für einen kleinen Blick auf dieses Schiff.

Update: Mit dem Update 0.6.2.2 hat WG die Zitadelle der Alabama etwas gesenkt und die Panzerung in drei Abschnitte geteilt. Damit wird die Alabama deutlich solider und weniger anfällig für den schweren Schaden wie noch in der ersten Version. Der Text und die Bilder, wie auch die Einschätzung sind dahingegend etwas angepasst worden.

Die Geschichte

Fast wäre es nichts geworden mit der South Dakota Klasse, denn als Mitte der 1930er Jahren über den Bau weiterer Schlachtschiffe diskutiert wurde, wollte man zuerst zwei weitere Schiffe der North Carolina Klasse bauen, was allerdings an dem damaligen Chef der amerikanischen Seestreitkräfte scheiterte, der unbedingt ein neues Design haben wollte. So wurde 1937 dann mit den Planungen begonnen und im Zuge der Wirren der Verhandlungen über die Flottenverträge von London 1938 konnte die ursprüngliche Anzahl von zwei Exemplaren auf vier Schiffe gesteigert werden. Beim Design wollte man einige Schwachstellen der North Carolina Klasse angehen, was vor allem die veraltete Maschinenanlage, den Schutz vor Torpedos und dem zu geringen Platz im Kommandoturm, weswegen sich die alten Schiffe nicht als Flaggschiff eines Flottenverbandes eigneten. Fehlte etwa der Platz für den Sessel des Admirals?

Noch war das baldige Ende der Schlachtschiff-Ära nicht abzusehen und daher gab es einigen Streit über das Design der South Dakota Klasse, denn es war schlicht unmöglich die maximale Länge, die zulässige Tonnage und die gewünschte Geschwindigkeit, Bewaffnung und Panzerung unter einen Hut zu bringen. Vor allem nachdem bekannt wurde, dass die japanische Nagato 26 kn erreichen konnte, wurde die gewünschte Geschwindigkeit zu einem Problem. Und so wurden viele Pläne geschmiedet und es wurde kurzzeitig überlegt, die Bewaffnung von 406 mm Geschützen auf 356 mm Geschützen zu verkleinern und sogar Vierlings-Türme statt Drillings-Türme waren Teil der Überlegungen. Am Ende setzte sich ein Konzept durch, dass ein Schlachtschiff vorsah, dass knapp die 27 kn erreichte, drei Türme mit je drei 406 mm Geschützen trug und knapp über 200 m lang war (und damit etwa 10 m – 20 m kürzer als die North Carolina Klasse). Die Panzerung wurde vor allem gegen Treffen auf dem Deck verstärkt und so konnte dann am 5. Juli 1939 der Bau des ersten Schiffes begonnen werden (der South Dakota) und in rascher Folge wurden dann die restlichen drei Schiffe auf Kiel gelegt, mit der Alabama als Abschluss am 1. Februar 1940.

alabama_feuert

Fast genau zwei Jahre später, am 16. Februar 1942, lief das Schiff vom Stapel und nahm bereits im August des gleichen Jahres den Dienst auf, der allerdings nur kurz sein würde, denn seit dem Angriff auf Pearl Harbour 1941 zeichnete sich ab, dass die Schlachtschiffe nicht mehr die bestimmenden Schiffe im Krieg sein würden. Nach den ersten Übungen und einer kleinen Überholung wurde die USS Alabama Anfang 1943 nach Europa abkommandiert um dort die britische Heimatflotte zu unterstützen. Deren Kräfte waren im Mittelmeer gebunden, um die Invasion von Sizilien vorzubereiten und noch immer bedrohte die deutsche Flotte, allen voran die Tirpitz, die Nachschublieferungen nach Russland. Die Alabama, zusammen mit der South Dakota und britischen Schiffen, übernahmen nun den Schutz der Geleitzüge und die Sicherung der Routen und dabei wurde auch versucht die Tirpitz aus ihrem Versteck in den Fjorden Norwegens zu locken. Das gelang aber nicht und so blieb der Alabama wenig mehr zu tun als durch die Gegend zu fahren und Präsenz zu zeigen.

Das tat sie allerdings nicht sehr lange, denn etwa um die Zeit der Invasion von Sizilien (Juli 1943) wurde sie zurück in die Heimat beordert und machte sich nach einem kurzen Aufenthalt durch den Panamakanal auf in den Pazifik, um dort dann als Schutz für Flugzeugträger zu fungieren und Landungsoperationen zu unterstützen. Man könnte jetzt jede Insel aufzählen, die von der Alabama und anderen Schiffen in ihrem Verband beschossen, belagert und mit 406 mm Granaten umgepflügt wurden, aber das wäre mehr oder minder eine Liste von Namen, die den meisten nichts sagen. Diese Aufgaben übernahm das Schiff bis zum Januar 1944 als es für einige Tage ins Trockendock von Pearl Harbour zurück kehrte um Reparaturen durchzuführen. Bereits Ende des Monats war die Alabama wieder auf See und setzte ihre Arbeit fort. Am 21. Februar 1944 unterstützte die Alabama die Träger beim Angriff auf die japanischen Stellungen auf den Marianen Inseln und dabei kam es zu einem Unfall. Als japanische Flieger den Verband angriffen, löste sich versehentlich die Sicherung eines der 127 mm Türme, so dass dieser über den zulässigen Schussbereich hinaus drehen konnte und einen Nachbarturm traf. Dieses Unglück kostete fünf Matrosen das Leben und verletzte elf weitere. Nach einigem hin und her, einem Monat mit Training und der Aufnahme von Nachschub, kam die Alabama zurück und nahm an der Invasion der Marianen, der Befreiung Guams und der Schlacht in der Philippinensee teil. Bei diesem letzten großem Zusammentreffen zwischen japanischen und amerikanischen Trägerverbänden warf die Alabama all ihre Luftabwehr ins Gefecht und zeichnete sich in diesem Gefecht besonders aus.

Wenn es erlaubt ist, dann darf man die Arbeit danach wieder als Routine bezeichnen, denn den Rest des Jahres 1944 verbrachte die Alabama wieder als schwimmende Luftabwehrplattform für die Träger ihres Verbandes, bombardierte japanische Stellungen und Flughäfen auf diversen Inseln und kehrte im Dezember 1944 zum Puget Sound Marinestützpunkt in den USA zurück um überholt zu werden. Die Arbeiten dauerten bis in den März 1945 an und erst im Mai des gleichen Jahres war die Alabama wieder zurück im Gefecht und begann erneut die Einnahme von Inseln zu unterstützen (wozu teilweise auch die Besatzung der Alabama herangezogen wurde). Als am 15. August 1945 Japan kapitulierte und damit den Krieg beendete, besiegelte das auch die Laufbahn der Alabama, die zurück in die Staaten beordert wurde. Nach einer erneuten Überholung wurde sie dann, keine zwei Jahre später, am 9. Januar 1947 außer Dienst gestellt wurde. Sie blieb bis 1962 Teil der Reserveflotte, wurde dann von einer durch Spenden finanzierte Organisation übernommen und nach Mobile in Alabama geschafft, wo sie seit dem 9. Januar 1965 als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

alabama_heute

Das Schiff im Spiel

Wie in der Realität sind sich die Alabama und die North Carolina sehr ähnlich und die Alabama findet sich auf der gleichen Stufe wieder (Stufe acht) und unterscheiden sich weder im Aussehen noch in ihren Eckdaten kaum von ihrer (fast) Schwester:

Stukturpunkte: 63.300
Panzerung: 6 mm bis 406 mm
Hauptgeschütze: 3 x 3 406 mm
Reichweite: 21.1 km
Drehgeschwindigkeit (180 Grad): 40 s
Nachladezeit: 30 s
Torpedowerfer:
Reichweite:
Geschwindigkeit:
Nachladezeit:
Sichtbarkeit (Schiff): 16.2 km
Sichtbarkeit (Flieger): 12.15 km
Höchstgeschwindigkeit: 27.5 kn
Ruderstellzeit (180 Grad): 20 s
Wenderadius: 710 m

Die Alabama hat ein paar Strukturpunkte weniger (North Carolina hat 66.000) und hat etwa 2 km weniger Reichweite bei den Hauptgeschützen, ist dafür aber etwas wendiger (2 s weniger Ruderstellzeit, 50 m geringeren Wendekreis). Die Sichtbarkeit der Alabama ist etwas schlechter (allerdings nur minimal) und die Luftabwehr ist etwas anders aufgebaut, was aber unterm Strich wenig ändert, denn beiden Schiffe verfügen über eine große Menge an Flak-Geschützen. Der wirklich relevante Unterschied bei den beiden Schiffe besteht aber der Panzerung, genauer gesagt bei der Lage der Zitadelle. Während die Panzerung bei beiden Schiffen ähnlich gut ist (wenn auch nicht genau gleich), liegt die Zitadelle bei der Alabama ein Stück höher als bei der North Carolina und auch nicht nach innen versetzt. Dieser kleine Unterschied macht im Spiel eine Menge aus. Wie bei den amerikanischen Schlachtschiffen Iowa (Stufen neu) und Montana (Stufe zehn) wird die Alabama damit anfälliger für schwere Treffer von der Seite (allerdings nicht ganz so stark, denn die Zitadelle bei den beiden höheren Schiffen ragt zusätzlich noch über die Wasserlinie hinaus) und verliert gegenüber der North Carolina ein wenig an Nehmerqualitäten. Während man dank der Form des Schiffes und den Schrägen der Panzerung wie gehabt von vorne wenig Schaden nimmt und viele Schüsse abprallen, werden Wendemanöver während des Gefechts ziemlich riskant.

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Zitadelle der North Carolina

 

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Zitadelle der Alabama

Als Ausgleich könnte man sehen, dass der Torpedoschutz der Alabama deutlich besser ist und das nicht nur weil sie etwas wendiger ist und somit den nervigen Torpedos besser ausweichen kann. Allerdings machen in den Stufen, in denen man gewöhnlich spielt, die Torpedos genug Schaden, dass auch wenige Treffer schmerzhaft in Erinnerung bleiben und wenn man ausweicht, dann präsentiert man oft genug die anfällige Breitseite irgendeinem feindlichen Schlachtschiff in der Nähe. Daher eignet sich die Alabama weniger als die North Carolina als Frontschwein und man sollte mit ihr eher die Spielweise einer Iowa anwenden.

Über die Luftabwehr braucht man nicht viele Worte zu verlieren, denn diese ist hervorragend, auch wenn der Schaden auf mittlere Distanz etwas geringer ist als bei der North Carolina. Dafür hat sie einige Flak-Geschütze mehr im nahen Bereich, was unterm Strich die beiden Schiffe wieder auf Augenhöhe setzt. Natürlich ist man damit nicht unangreifbar durch Bomber, aber jeder Angriff wird dem Gegner wertvolle Flieger kosten und man sollte in der Regel nicht das erste Ziel sein, dass sich der feindliche Flugzeugträger aussucht.

Meine Meinung

Ganz ehrlich, ich verstehe die ganze Aufregung um dieses Schiff nicht vollständig. Mit der North Carolina hat man ein vergleichbares und in einigen Punkten sogar besseres Schiff im Spiel, dass jeder sich erspielen kann. Und wenn man die Geschichte anschaut, dann war die Alabama weder lange im Dienst (gerade mal 5 Jahre) noch hat sie irgendwo besonders heraus gestochen. Sie war ohne Zweifel aktiv und hatte Anteil an vielen Operationen, aber sie kam halt zu spät für echte Seegefechte bei denen sich Schlachtschiffe duellierten, denn die Flugzeugträger hatten bereits die Führungsposition übernommen. Ohne damit die Leistung auch nur eines Mannschaftsmitglieds schmälern zu wollen oder die Leistungen des Schiffs klein zu reden, aber so einen besonderen Ruf hat es sich nicht verdient. Und als die Alabama im Film Alarmstufe: Rot (englischer Titel: Under Siege) mit Steven Seagal die nicht-menschliche Hauptrolle übernahm, da mimte sie sich nicht etwa selber, sondern wurde zur USS Missouri (weshalb mein Steven Seagal Kapitän auch auf der Missouri seinen Dienst verrichtet, aber das nur am Rande). Von daher kann ich die Missgunst von einigen Spielern gegenüber den Supertestern nicht so ganz nachvollziehen.

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Und wenn man sich das Schiff im Spiel anschaut, dann ist jeder Gedanke, dass es überzogen stark werden könnte auch nicht gerechtfertigt. Die Alabama ist ein solides Schiff, dass sich mit den anderen Schlachtschiffen der Stufe acht (North Carolina, Amagi, Bismarck und Tirpitz) durchaus messen kann, aber es übertrifft sie nicht. Es hat die Stärken der amerikanischen Schlachtschiffe, ist ein wenig wendiger, aber dafür anfälliger für schwere Treffer und genau da liegt der eine Nachteil, den eigentlich Premium-Schiffe immer haben sollten (so eigentlich die WG-Philosophie zu Premium-Schiffen – klappt nicht immer, wie man an der Imperator Nikolai I oder Gremyashchy sieht).

Unvorsichtige Spieler, die schon mit dem regulären Stufe acht Schlachtschiff der Amerikaner zu häufig Breitseite fahren und Zitadellentreffer kassieren, werden mit der Alabama sicher nicht glücklich werden und sie verfluchen. Wer sich jedoch die Spielweise der Iowa schon angewöhnt hat (mehr frontal zum Gegner stehen, auf den Einsatz des Heckturms im Zweifel verzichten und Vorsicht bei Wendemanövern), der kann das auch bei der Alabama tun und wird dann mit dem Schiff seine Freude haben.

7 Gedanken zu „Die Südstaatenschönheit – USS Alabama

  1. Wie immer, sehr schöner Überblick und klasse Zusammenfassung.
    Fahre aber trotzdem bevorzugt die deutschen Schlachter, da kann man auch mal wenden. Irgendwie finde ich das Vor- und Zurück mit den amerikanischen Schiffen nicht so spannend.

  2. Eins vorweg, sehr gute Geschichte. Ich bin Schiffsammler (habe auch “Tachibana”, “Albany” und alle “Minekaze”- Klone, obwohl die komplett identisch sind und wenn ich jetzt die “Alabama” haben will, hat das nichts damit zu tun, dass ich sie den ST’s nicht gönne, im Gegenteil, aber HABEN WILL. Ist nur Gier, keine Missgunst.

    1. Natürlich betrifft das nicht alle Spieler dieser Neid, aber halt einige. Gier ist da schon verständlicher, aber die muss man halt auch mal zügeln. Fällt mir auch selber sehr schwer … Flint und Black … 😉

  3. Du hast halt die Geschütze nicht erwähnt… Diese sind ungleich den Noca Geschützen und auch nicht ebenbürtig.
    Das macht die Alabama nett aber halt auch schlechter.

    1. Die Geschütze sind zur North Carolina identisch (beides 406 mm/45 Mk6) und verwenden die gleichen Geschosse (406 mm HE/HC Mk13 und 406 mm AP Mk8) und daher gibt es bis auf die Reichweite und die Streuung (mehr gefühlt als real) keine Unterschiede bei den Geschützen oder den Geschossen.

  4. Ganz ehrlich: Immer wenn ich etwas für World of Warships erfahren, nachlesen oder einen Kommentar oder Guide lesen möchte, besuche ich IMMER zuerst Deinen Blog. Zu 99% brauche ich dann keine weiteren Recherchen mehr.

    Schade, dass wir – die Spielergemeinde – Dir nicht mal für Deine Verdienste ein besonderes exklusives Schiff schenken können.

    1. Vielen Lieben Dank für das Lob, so was freut mich wirklich sehr und ist als Belohnung für meine “Arbeit” (echte Arbeit ist es ja nicht, dazu macht es zu viel Spaß 😉 ) eigentlich genug. Aber ich bin wieterhin am überlegen ob ich so was wie tipeeestream verwende oder loots, aber da gibt es noch ein paar rechtliche / steuerliche Dinge zu klären.

      Aber eigentlich freue ich mich wie gesagt am meisten, dass ihr fleissig den Blog lest und mir evt. bei meinem Unfug auf dem Stream zuschaut.

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