Florida – Sunshine State mit Schattenseiten

Mit dem Update 0.9.9 beginnt Wargaming (WG) die Einführung eines neuen Zweiges amerikanischer Schlachtschiffe (von der Colorado auf Stufe sieben startend mit der Kansas, über die Minnesota bis zur Vermont) und natürlich gibt es dazu auch ein neues Premium-Schiff. Dies ist mit der Florida für amerikanische Verhältnisse teilweise ein ungewöhnliches Schiff und teilweise sehr typisch, die aber auf ihre Weise ein gutes Beispiel für die neue Art der Schlachtschiffe ist, die nun eingeführt werden in World of Warships (WoWS). Also Sonnencreme aufgetragen, den Rollator fest im Griff und dann geht es auf einen kleinen Ausflug zu dem Schiff, dass den Namen des Sonnenschein-Staat trägt.

Die Geschichte

Es gab zwar eine USS Florida (genauer mehrere, aber nur ein Schlachtschiff mit diesem Namen) und zwar das BB-30 (im Dienst von 1911 bis 1931) und dies war sogar das namensgebende Schiff für eine Klasse, von der es zwei Schiffe gab (Florida und Utah), aber das ist hier nicht gemeint. Wer also nach Informationen zu diesem Schiff sucht, wird vermutlich erst einmal verwundert sein, denn die Informationen zu dem Schiff stimmen mit denen des Schiffs im Spiel hinten und vorne nicht überein. Die Florida, um die es hier geht, ist eine der zahlreichen Varianten, die geprüft wurden, bevor dann aus einer davon die Klasse wurde, die den Namen North Carolina bekam.

Entwurf “VII” mit nur 22 kn Maximalgeschwindigkeit, U.S. Navy – Friedman (1985), p. 258 According to p. 456

Nachdem 1922 der Flottenvertrag von Washington die Tonnage von Schlachtschiffen auf 36.000 Tonnen begrenzte, das Kaliber auf 406 mm (16 inch) und außerdem die Erweiterung bzw. der Ersatz von älteren Schiffen reglementiert wurde, überlegte man einige Zeit in welche Richtung es mit der Schlachtschiff-Flotte der US Marine gehen sollte. Erst 1935 wurden dann die Planungen deutlich konkreter und es wurden verschiedene Varianten geprüft, die mit unterschiedlichen Bewaffnungen, Tonnagen und Geschwindigkeiten um die Gunst der Admiräle rangen. Bei den Überlegungen spielten auch die Berichte über die schnellen japanischen Schlachtschiffe wie die Kongo eine wichtige Rolle und die Tatsache, dass man erkannt hatte, dass Flugzeugträger wichtig werden würden. Also mussten die Schlachtschiffe schnell genug sein, um mit diesen im Verband zu fahren.

“Nelson”-Entwurf für die North Carolina Klasse, U.S. Navy – Friedman (1985), p. 246 According to p. 456

Bis 1936 gab es eine ganze Reihe von Ideen wie man die nächste Klasse an Schlachtschiffen gestalten könnte – um die 35 verschiedene Varianten gab es und Project XVI (fast genau die Florida wie sie jetzt im Spiel ist) sollte eigentlich der finale Entwurf sein, der dann aber am Ende noch einmal auf Anweisung des Präsidenten Roosevelt abgeändert wurde (die Bewaffnung wurde von 3 x 4 356 mm auf 3 x 3 406 mm geändert). Unter den Vorschlägen gab es auch eine Variante die aus der North Carolina Klasse ein Flugdeck-Schlachtschiff gemacht hätte oder eine Version in der wie bei der Nelson alle Geschütze auf dem Bug angebracht waren. Offenbar lies man der Fantasie hier erst einmal freien Lauf.

Flugdeck-Schlachtschiff Entwurf, U.S. Navy – Friedman (1985), p. 250 According to p. 456

Aber nicht nur bei der Bewaffnung schwankten die Entwürfe stark, auch was die immer wichtiger werdende Geschwindigkeit anging lagen sie weit auseinander, denn manche sollten mit 22 kn recht gemächlich sein, während andere mit 30 kn ziemlich flott unterwegs gewesen wären. Beim Project XVI peilte man 27 kn an, aber Simulationen zeigten, dass die Konstruktion schwere Mängel beim Schutz gegen Treffer unter der Wasserlinie und gegen Bomben hatte. Daher wurden Variationen (Project XVI-B bis Project XVI-D) davon entworfen, die sich in Panzerung aber auch teilweise Bewaffnung (2 x 4 + 1 x 3 356 mm Geschütze) vorsahen und immer wieder andere Unterstützer unter den Admirälen im Planungsausschuss fanden. Irgendetwas passt immer einem wichtigen Teil der Marineführung nicht und daher wurde immer wieder nachgebessert.

Finaler Entwurf “XVI” – noch mit 3×4 356 mm, U.S. Navy – Friedman (1985), p. 263 According to p. 456

Am Ende wurde es dann doch wieder das ursprüngliche Project XVI, wobei an der Panzerung noch etwas nachgebessert wurde und so sollte die Schiffe dann auch Mitte 1937 bestellt und gebaut werden. Doch dann kam der Streit um den zweiten Flottenvertrag von London, bei dem die Nationen eigentlich das Kaliber von Schlachtschiffen auf 356 mm (14 inch) beschränken wollten. Doch Japan (und eigentlich auch die USA und England) wollte das auf Grund der Limitierung bei der Zahl der Schlachtschiffe nicht akzeptieren und weigerte sich daher den Vertrag so zu unterschreiben. Am Ende gab der US Präsident Roosevelt die Anweisung aus, dass die neuen Schlachtschiffe mit 406 mm (16 inch) Kanonen zu bestücken seien und damit wurde die North Carolina “geboren” die wir kennen. Die Florida, die es jetzt in WoWS gibt, ist also auf Stufe sieben die North Carolina (auf Stufe acht), die es eigentlich hätte geben sollen, wäre der ursprünglich beschlossene Entwurf gebaut worden.

Das Schiff im Spiel

Strukturpunkte51 900
Hauptartillerie3 x 4 356 mm/50 MK 11
  Maximale Feuerreichweite18.6 km
 Nachladezeit33.5 s
 Genauigkeit
  Sigma1.7
  horizontale Streuung205 m
  Drehgeschwindigkeit (180 Grad)45 s
 Sprenggranaten
  Schaden4 750
  Brandwahrscheinlichkeit22%
  Geschossgeschwindigkeit861 m/s
 Panzerbrechende Granaten
  Schaden9 500
  Geschossgeschwindigkeit823 m/s
Flugabwehr
  20 mm Oerlikon Mk.10‎37 x 1 20 mm
  40 mm Bofors Mk2‎8 x 4 40 mm
  40 mm Bofors Mk13 x 2 40 mm
  127 mm/38 Mk32‎5 x 2 127 mm
  127 mm/38 Mk30 mod. 0‎4 x 1 127 mm
Höchstgeschwindigkeit27 kn
Wendekreis760 m
Ruderstellzeit15.4 s
Oberflächensichtbarkeit13.4 km
Luftsichtbarkeit10.1 km

Vom Aussehen her sieht die Florida natürlich der North Carolina sehr ähnlich (auch ohne den zweiten Schornstein) – etwas anderes wäre bei der Geschichte auch sehr verwunderlich – und erst auf den zweiten Blick fallen die ungewöhnlichen Vierlings-Türme und die vier Einzel-Sekundärgeschütze auf. Auf Grund ihrer Ausstattung und den Eigenschaften ist es schwierig die Florida mit anderen Schiffen zu vergleichen, auch wenn man sich nur auf die Schiffe der Stufe sieben beschränkt und die North Carolina eine Stufe höher weglässt. Die Colorado ist langsamer, hat weniger Geschosse, aber dafür ein größeres Kaliber und wirkt deutlich gedrungener als die Florida. Die California (auch noch nicht so lange im Spiel) ist deutlich dicker, hat das gleiche Kaliber (auch wenn die Granaten etwas schlagkräftiger sind) und ist aber ebenso deutlich langsamer. Irgendwie wirkt die Florida eine Mischung aus diversen Schiffen und dann doch wieder vertraut – eine ganz komische Sache.

Typisch amerikanisch ist bei der Florida die Flugabwehr die wohl auch Stufe acht Flugzeugträgern einigen Respekt abgewinnen dürfte. Zwar kommt sie nicht ganz von den Werten an die California ran aber zumindest übertrifft sie die Colorado um ein kleines Stück. Etwas Federn gegenüber den beiden Kollegen muss sie aber bei der (historisch korrekten) Panzerung unter Wasser lassen, denn der Torpedoschutz bzw. die Reduktion des Schadens durch Torpedos ist mit nur 26 % um etwa 10 % geringer als bei den Kollegen üblich. Damit werden Angriffen von Zerstörern durchaus spürbar gefährlicher, auch wenn die relativ solide Ruderstellzeit das Schiff nicht träge machen – aber die Geschwindigkeit von 27 kn vergrößert auch den Wendekreis spürbar.

Überhaupt unterscheidet sich die Florida im Panzerungsaufbau von den beiden anderen Stufe sieben Schlachtschiffen, denn wie bei der North Caroline liegt die Zitadellenpanzerung außen und ist nicht zusätzlich über die ganze Höhe von einer (dünnen) Seitenpanzerung geschützt. Außerdem liegt die Zitadelle selber sehr hoch und teilweise deutlich über dem Wasser, so dass die Florida leichter unter schweren Treffern leiden kann, wenn sie denn gezwungen wird die Seite zu zeigen. Und das bei relativ mageren 51.800 Strukturpunkten. Dafür freut man sich als Kapitän einer Florida über die 37 mm Deckpanzerung, die es manch einem Kreuzer schwerer macht mit seinen Sprenggranaten einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ausgenommen davon sind Heck und Bug, denn die haben nur 25 mm (statt sonst 26 mm ) Panzerung.

Selber kann die Florida durchaus austeilen, aber das kleine Kaliber von 356 mm wird nur teilweise von den zahlreichen Geschossen wieder aufgewogen, denn die Genauigkeit ist mit einem Sigmawert von 1.7 (California 1.9, Colorado 2.0) nicht gerade berauschend. Allerdings ist die horizontale Streuung mit gerade mal 205 m deutlich geringer (um ca. 20 %) als bei den anderen beiden Schlachtschiffen, was unter Strich bedeutet, dass die Granaten stärker abweichen, aber der Bereich innerhalb dem sie dann landen können, kleiner ist. Viel störender ist allerdings die sehr lange Nachladezeit der Kanonen, die mit 33.5 s fast so lange laden wie die der California und gerade in entscheidenden Situationen wird man vermutlich seine virtuellen Lademannschaften verfluchen.

Meine Meinung

Die Florida ist nicht so gemütlich unterwegs wie das Moppelchen, Verzeihung, die California und hat nominell die größere Feuerkraft (mehr Geschütze in frontalen Begegnungen, etwas kürzere Nachladezeit), was aber durch geringeren Schaden und schlechtere Streuung wieder relativiert wird. Somit bleiben für die Stufe recht kleine Geschütze mit hoher Reichweite und langer Nachladezeit über, aber wenigstens kommt man relativ flott von A nach B, so dass eine anfangs falsche Richtung nicht sofort bedeutet, dass man mehr oder minder statt an einem Gefecht teilzunehmen eine Kreuzfahrt unternimmt. Man sollte sich allerdings nicht blind dem (vermeintlichen) Geschwindigkeitsrausch hingeben und sich in die Feinde hineintragen lassen, denn die Panzerung der Florida bietet weniger Schutz als man meinen können. Außerdem liegen die empfindlichen Teile (damit meine ich die Zitadelle) relativ hoch im Wasser und ist damit gerade auf mittlere und kurze Distanz für feindliche Schlachtschiffe relativ leicht zu treffen.

Selber darf man aber auch, wie schon erwähnt, durchaus austeilen und sollte man in die Lage kommen mit der Nase voraus zum Gegner eine Position halten zu müssen, so hat man dank der Vierlingstürme immer noch acht Geschosse pro Salve, was verglichen mit einer Colorado doppelt so viel ist. Auch wenn man die Reichweite hat (mit entsprechenden Verbesserungen 21.6 km und mit Aufklärungsflieger fast 26 km), sollte man nicht dauerhaft am Kartenrand verweilen und seine Feinde mit Sprenggranaten versuchen zu treffen. Aufgrund der Menge an Geschossen wird zwar schon irgendwas treffen, aber sehr effektiv wird man damit nicht sein. Natürlich sollte man auch nicht unbedingt in den direkten Nahkampf, aber die mittlere Distanz ist für die Florida durchaus passend. Vor allem, wenn man vermehrt die Kreuzer aufs Korn nimmt, bei denen man bleibenden Eindruck hinterlassen kann, wohingegen Schlachtschiffe häufiger die 356 mm Granaten einfach abschütteln werden.

Die Florida erscheint mir in mancher Hinsicht ein wenig wie ein Gegenentwurf zur California zu sein: etwas schneller Geschütze, etwas ungenauer aber dafür schneller unterwegs. Das scheint auch irgendwie zu klappen, aber irgendwie auch nicht, denn die restlichen Unterschiede lassen die Florida etwas fragiler erscheinen (North Caroline Panzerungsaufbau und geringerer Torpedoschutz). Etwas kurios kommt mir vor, dass die neue Linie der Schlachtschiffe eigentlich geprägt sein sollte von langsamen Schiffen, die lange nachladen und dafür mächtige Kanonen haben. Jetzt kommt mit der Florida ein Schiff, dass schneller als gewöhnlich (für seine Stufe, Nation und Klasse) ist und kleinere Kanonen (aber lange Nachladezeiten) hat. Das erscheint mir etwas widersinnig, aber das sollte man dem Schiff selber nicht vorhalten. Grundsätzlich finde ich die Florida nicht ohne Reiz und sie bietet etwas Abwechslung für die Freunde amerikanischer Dickschiffe, aber als “Muss man haben” würde ich sie auch nicht bezeichnen. Eher, wie die California auch, als ein Schiff, das man haben kann, vor allem wenn man auf US Schlachtschiffe steht oder einfach Sammler ist.

Vorschlag für die Fähigkeiten des Kapitäns

Stufe 1: Vorrangiges Ziel

Stufe 2: EliteschützeAdrenalinrausch

Stufe 3: Grundlagen der Überlebensfähigkeit Inspekteur

Stufe 4: Brandschutz Tarnungsmeister

Begründung: So ungewöhnlich für ein amerikanisches Schlachtschiff die Florida sein mag, so banal oder einfach finde ich die Wahl der Fähigkeiten für den Kapitän, denn es gibt kaum Grund von der gewohnten Auswahl abzuweichen. Beginnend mit “Vorrangiges Ziel” auf Stufe eins, geht es mit “Eliteschütze” und “Adrenalinrausch” auf Stufe zwei weiter. Die Geschütze laden zwar lange nach, aber gerade deshalb ist es durchaus wichtig, dass man immer schon auf dem Ziel ist um zu schießen, wenn die Granaten endlich in den Rohren sind. Dabei hilft die etwas bessere Turmdrehrate enorm und “Adrenalinrausch” kann am Ende eines Gefechts die entscheidenden Sekunden bringen, um noch eine Salve auf den Weg zu schicken. Auf Stufe drei nehme ich wie immer gerne “Inspekteur”, denn die Florida kann durchaus die eine Reparaturmannschaft, den einen Aufklärer und das eine Defensives Fla-Feuer mehr gut verkraften. Daneben ist “Grundlagen der Überlebensfähigkeit” sehr hilfreich, da die wenigen Sturkturpunkte dann durch Brände und Wassereinbrüche nicht so stark belastet werden. In der letzten Stufe ist “Brandschutz” wie für was alle Schlachtschiffe eine mehr als solide Wahl und als zweite Fähigkeit nehme ich “Tarnungsmeister” um mit der Florida noch die Chance zu haben früher unsichtbar für den Feind zu werden und so zu entkommen, wenn einen die Geschwindigkeit mal wieder zu nahe an den Gegner getragen hat.

Wie immer gibt es auch Varianten die man wählen kann, die ebenso gut funktionieren. So sind auf Stufe drei auch “Wachsamkeit” und auf Stufe vier “Funkortung” denkbar, wenn man vor Zerstörern und deren Torpedos sicherer sein will, denn somit können sich Zerstörer schwerer in die Flanke schleichen und alle Torpedos werden früher sichtbar. Was sich allerdings nicht lohnt bei der Florida, ist eine Verstärkung der Sekundärgeschütze, denn diese sind nicht sonderlich stark und auch nicht sehr zahlreich (nur 6 x 2 und 4 x 1 127 mm mit 5 km Reichweite).

4 Gedanken zu „Florida – Sunshine State mit Schattenseiten

  1. Wie immer freue ich mich,wenn Du neue Schiffe vorstellst und beurteilst,und ich beziehe das Gelesene dann auch immer in meine Entscheidungen mit ein,ob ich mir ein neues Premium-Schiff zulegen sollte oder nicht.
    Darum habe ich auch Deinen neuen Post über die Florida mit großen Interesse gelesen und fand ihn wieder klasse wie immer.

    Was mich jedoch etwas irritiert ist,das Du schreibst,die Florida hätte mehr Geschütze als die California.
    Vielleicht beziehst Du die Sekundärbatterie mit ein,aber das glaube ich nicht.
    Bei der Hauptbatterie sind 4 x 3 und 3 x 4 für mich aber immer noch dasselbe…

    1. Erst einmal Danke für das Lob.

      Ok, ich sehe was du meinst, da hatte ich das falsch formuliert bzw. was vergessen, das passe ich noch an. Und das eine mehr sollte ein schneller sein – das kommt davon wenn man auf der Hälfte des Weges den Satz umbaut. *sight*

  2. Wieder einmal ein schöner Guide und eine sehr schön zu lesende Vorstellung dieses Schiffs! Aber nach München und Florida wundert es mich schon, dass es noch gar keinen Guide zu den deutschen CV gibt. Und dabei sind die nach Vorabzugang und nach Update schon etwas länger erhältlich. Passt hier nicht ganz hin, aber mich würde interessieren, ob da noch etwas geplant ist 🙂

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