Georgia, eine amerikanische Yamato?

Es gibt ein neues Schiff für Kohle im Lande und der Name ist Georgia. Wargaming (WG) hat dafür ein wenig ins Archiv gegriffen und nicht etwa eines der vielen existierenden Schiffe genommen sondern ein Projekt zum Leben erweckt. Das muss jetzt nicht schlecht sein, auch wenn viele Fans der amerikanischen Schlachtschiffe sich wohl eine Tennessee, Washington oder eines der anderen zahlreichen Schiffe gewünscht hätten, aber angesichts dessen WG hier umgesetzt hat, finde ich die Wahl nicht so schlecht. Denn die Georgia hat besondere Hauptgeschütze, die mit 457 mm fast das Kaliber der Yamato haben (wobei beide als 18-inch Kanonen geführt werden) und die gab es auf einem Schiff der US Marine auch nie. Dann sehen wir uns mal an, was WG hier für World of Warships (WoWS) so gezaubert hat.

Kurze Geschichte

Zur Historie der Georgia kann man kaum etwas sagen, denn das Schiff gab es ja (wie schon erwähnt) nie wirklich. WG stützt sich hier auf einige Projekt-Studien während der Entwicklung der Iowa-Klasse entstanden sind und als erste Überlegungen zu einem sehr schnellen Schlachtschiff für die amerikanischen Marine entstanden sind. Noch vor dem ersten Weltkrieg sah sich Amerika gezwungen auf die Bedrohung durch die zu schnellen Schlachtschiffen umgerüsteten Schlachtschiffe der Kongo-Klasse aus Japan zu reagieren. Dazu kam, dass im Zuge des zweiten Flottenabkommens von London (1936) die Grenze für Kanonen von 356 mm auf 406 mm angehoben und auch die erlaubte Verdrängung für die Schiffe erhöht wurde. Damit drohten die aktuell sich im Dienst oder noch im Bau befindlichen Schlachtschiffe der amerikanischen Flotte hinter denen der möglichen Feinde zurück zu stehen.

Im Dahlgren Naval Surface Warfare Center in Virginia (USA) sieht man links das18 inch/47 (45.7 cm) Mark “A” Geschütz und rechts davon ein 16 inch/50 (40.6 cm) Mark 7 Geschütze wie es bei der Iowa eingebaut wurde.
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Also musste eine Lösung her und dazu wurden viele Überlegungen angestellt, eine davon mündete am Ende in die Schiffe der Iowa-Klasse, wie wir sie kennen, aber es gab auch Alternativen. Die Georgia im Spiel repräsentiert die, bei der überlegt wurde das Kaliber der Geschütze auf 457 mm (oder 18-inch) zu erhöhen. Die Geschütze oder die Pläne für diese gab es sogar schon seit den 1920er Jahren, aber fanden bisher nie ihren Weg auf ein Schiff, denn die Geschütze waren ziemlich schwer und sperrig und unterm Strich boten die kleineren 406 mm Geschütze eines besseres Gesamtpaket aus Leistung und Gewicht. Und das, obwohl die fast doppelt so schweren Granaten (1.746 kg gegenüber den 953 kg) – auch “super heavy AP shells” genannt – geeignet waren so ziemlich alles zu durchschlagen was an mögliche Zielen auf den Meeren unterwegs war. Am Ende landeten die Pläne für ein Schiff mit solchen Geschützen in den Schubladen und die wenigen für die Erprobung gebauten Kanonen im Museum.

Das Schiff im Spiel

Strukturpunkte74.100
Hauptartillerie3 x 2 457 mm/47 Mk A
  Maximale Feuerreichweite20.04 km
 Nachladezeit26 s
 Genauigkeit
  Sigma1.80σ
  horizontale Streuung216 m
 Drehgeschwindigkeit (180 Grad)45 s
 Sprenggranaten
  Schaden6.450
  Brandwahrscheinlichkeit43%
  Geschossgeschwindigkeit800 m/s
 Panzerbrechende Granaten
  Schaden15.750
  Geschossgeschwindigkeit732 m/s
Sekundärartillerie‎10 x 2 127 mm
  Maximale Feuerreichweite7.5 km
Flugabwehr
 127 mm/38 Mk38 Mod. 0‎10 x 2 127 mm
 40 mm Bofors Mk2‎16 x 4 40 mm
 20 mm Oerlikon Mk4‎40 x 1 20 mm
Höchstgeschwindigkeit33 kn
Wendekreis890 m
Ruderstellzeit16.5 s
Oberflächensichtbarkeit16.4 km
Luftsichtbarkeit11.3 km

Was natürlich neben dem Kaliber der Hauptgeschütze sofort ins Auge fällt ist die geringe Zahl von nur sechs Kanonen und nein, das ist kein Tippfehler. Die Georgia ist damit das Schlachtschiff auf Stufe neun mit der geringsten Zahl an Geschützen, allerdings auch das mit der niedrigsten Nachladezeit (nur 26 s). Dies ist natürlich ein ziemlicher Dämpfer, denn sobald einem die Streuung nicht gewogen ist, wird man nicht viele Granaten ins Ziel bekommen. Allerdings muss man dabei beachten, dass die Streuung mit 216 m (bzw. sogar weniger, wenn man entsprechende Verbesserungen einbaut) und ein Sigma-Wert von 1.80 hier durchaus entgegen wirken und dennoch wird damit aus der Georgia kein reiner Scharfschütze aus maximaler Distanz. Dagegen sprechen die eigentlich recht guten Sekundärgeschütze (immerhin 20 Stück mit 7.5 km Reichweite und geringer Nachladezeit) und die recht solide Flugabwehr (die aber gegen Stufe zehn Flugzeuge schon zu kämpfen hat). Beide kann man mit Verbesserungen und Fähigkeiten des Kapitäns noch verstärken. Etwas mager fallen die Sturkturpunkte aus, denn 74.100 sind nun wirklich nicht viel für ein so großes Schiff (zum Vergleich, die Friedrich der Große hat ausgebaut fast 10.000 Punkte mehr) und die Panzerung ist zwar der von der Iowa oder Missouri sehr ähnlich, aber nicht ohne Lücken und Schwachstellen (vor allem an den Seiten).

Damit sind, abgesehen von den Hauptgeschützen, die Unterschiede der Georgia zu Iowa und Missouri gar nicht so groß, wären da nicht die Verbrauchsgüter. Hier bekommt das Schlachtschiff, ganz im Sinne der realen Idee, als Zusatz den Motorboost, so wie es bei den französischen Schlachtschiffen auch der Fall ist. Darüber hinaus lädt die Reparaturmannschaft mit 60 s (40 s bei der Premium-Variante) nach, was etwas schneller ist als bei den anderen Schiffen, aber dafür werden auch nur 0.5 % der maximalen Sturkturpunkte statt der sonst üblichen 0.7 % pro Sekunde wieder hergestellt.

Meine Meinung

Die Georgia stellt mich immer noch vor ein kleines Rätsel, denn ich bin nicht sicher was WG von mir bei diesem Schiff erwartet, denn für einen “American Sniper” stimmen zwar die Reichweite und die Durchschlagskraft (zumindest nominell), aber die eigentlich gute Genauigkeit und die geringe Zahl an Geschossen sind eine Kombination, die dazu führen, dass man doch nicht so viele Granaten ins Ziel bekommt damit es effektiv wird (und wehe der RNG Gott meint es noch dazu schlecht mit einem). Auf der anderen Seite hat man (zumindest für amerikanische Schlachtschiffe) recht gute Sekundärgeschütze (mit bis zu etwas über 10 km Reichweite) und den Motorboost, mit dem man sich schnell Gegner nähern und im Nahkampf dann die mächtigen Geschütze sprechen lassen kann. Allerdings hat man dafür dann recht wenig Stukturpunkte und auch der Schutz ist hier nicht ganz ausreichend, was zumindest teilweise durch die schneller wieder verfügbare Reparaturmannschaft ausgeglichen wird, die aber wiederum nicht ganz so effektiv arbeitet. Daher stehe ich immer noch mit einem kleinen Fragezeichen im Gesicht vor dem Schiff. Vielleicht ist die Georgia ja sowohl für die eine als auch die andere Rolle geeignet und man kann sie entweder auf die eine oder die andere Art fahren oder je nach Spielsituation seine Spielweise anpassen und somit sowohl zu Beginn eines Gefechts (auf Distanz) als auch gegen Ende (im Nahkampf) entsprechend gut bestehen? Diese Idee gefällt mir und ich denke mit einer entsprechenden Ausrichtung vom Kapitän und den passenden Verbesserungen könnte man ziemlich genau das erreichen.

Allerdings nimmt die Georgia für ein Schlachtschiff trotz der fast identischen Panzerung verdammt viel Schaden von anderen Schlachtschiffen und kann damit gegen Kollegen mit kleineren Geschützen aber mehr Geschossen oft nicht gut bestehen. Selbst wenn man als Sieger aus einem Duell hervorgeht hat man leider meist gut Federn gelassen und wenn der nächste Gegner dann schon wartet kann es eng werden. Dazu kommen die häufigen Brände und Wassereinbrüche, da aktuell auch vermehrt Schlachtschiffe mit Sprenggranaten um sich schießen und es wieder häufiger Flugzeugträger gibt, die einen gerne mit Sprengbomben und Torpedos beglücken. Auf der Haben-Seite steht allerdings eine solide Flugabwehr und der Motorboost, den man gerne vergisst, der aber dem Schiffe eine Mobilität gewährt, die man gewinnbringend einsetzen kann. Sei es um sich von einer feindlichen Meute abzusetzen oder aber dem Feind in seine empfindliche Flanke zu fallen und dort mit den 457 mm Granaten große Löcher in Rümpfe zu stanzen.

Aus diesen Gründen ist für mich der Knackpunkt bei der Georgia weniger direkt die Zahl der Geschütze, sondern die Frage, ob man lange genug diese oft genug abzufeuern. Wer also gut darin ist in Gefechten lange zu überleben und somit genug Zeit hat um Schaden zu machen oder gegen Ende eines Gefechtes noch genug Strukturpunkte hat um sich direkt mit feindlichen Schlachtschiffen zu messen, der hat mit der Georgia Spaß. Sie ist schon ein sehr spezielles und besonderes Schiff unter den amerikanischen Schlachtschiffen und das nicht nur weil sie nur sechs Kanonen hat.

Vorschlag für die Fähigkeiten des Kapitäns

Überlebens-Variante

Stufe 1: Vorrangiges Ziel

Stufe 2: Eliteschütze Adrenalinrausch

Stufe 3: Grundlagen der Überlebensfähigkeit Inspekteur

Stufe 4: BrandschutzTarnungsmeister

Nahkampf-Variante

Stufe 1: Präventive Maßnahmen

Stufe 2: Eliteschütze Adrenalinrausch

Stufe 3: Schießgrundausbildung Inspekteur

Stufe 4: BrandschutzVerbesserte Schießausbildung

Begründung: Wie erwähnt, hat die Georgia mehrere Stärken die man ausbauen kann, aber leider kann man nicht alle auf einmal maximieren, daher wird man sich an der ein oder anderen Stelle entscheiden müssen. Daher möchte ich zwei Varianten vorstellen. Ob man nun zu Anfang “Vorrangiges Ziel” oder “Präventive Maßnahmen” wählt ist ein wenig Geschmackssache, aber da der Ausfall von einem Geschütze oder Ruder im Nahkampf sehr ärgerlich ist (aber auch wahrscheinlicher), würde ich bei der Nahkampf-Variante “Präventive Maßnahmen” bevorzugen. In beiden Varianten halt ich “Eliteschütze” und “Adrenalinrausch” für die besten beiden Optionen auf Stufe zwei, da die Türme der Georgia nicht gerade schnell drehen und man so oft wie möglich alle drei Türme einsetzen möchte um nicht noch weniger Granaten abfeuern zu können. Auf der dritten Stufe ist für mich “Inspekteur” gesetzt, da man nie genug von Reparaturmannschaft, Motorboost und Katapultflieger (Jäger oder Aufklärer) haben kann, wobei es natürlich hauptsächlich um die Reparaturmannschaft geht. Daneben kann man sich für “Grundlagen der Überlebensfähigkeit” oder “Schießgrundausbildung” entscheiden, je nachdem ob man eher das Überleben oder aber die Sekundär- und Flak-Geschütze im Fokus hat: kürzere Brände und Wassereinbrüche (und schnellere Reparatur von Modulen) oder lieber schneller schießende Sekundär- und Flak-Geschütze. Egal wie man sich entscheidet, auf Stufe vier ist “Brandschutz” für mich ebenso gesetzt, da Brände der große Feind eines jeden Schlachtschiffes sind außer man will ständig seine Reparaturmannschaft nur dafür verwenden den Schaden durch das Feuer wieder auszugleichen. Wie schon auf Stufe drei bieten sich hier mehrere Fähigkeiten an. Neben “Verbesserte Schießausbildung” um Flak- und Sekundärgeschütze weiter zu stärken ist “Tarnungsmeister” auch noch eine valide Option.

Kombiniert man die Fähigkeiten des Kapitäns mit den Verbesserungen, so wird aus der Georgia ein recht flexibles Schiff. Je nachdem wie man sich entscheidet und wie man spielt kann auch eine Kombination aus diversen maximierten Ausrichtungen funktionieren, wie zum Beispiel “Grundlagen der Überlebensfähigkeit” auf Stufe drei aber dennoch “Verbesserte Schießausbildung” auf Stufe vier oder man verzichtet auf “Adrenalinrausch” und nimmt auch auf Stufe drei nur “Inspekteur” und investiert in drei Fähigkeiten auf Stufe vier. Ich glaube dieses Schlachtschiff lässt einfach viele Optionen zu – man hat die Qual der Wahl.

4 Gedanken zu „Georgia, eine amerikanische Yamato?

  1. Servus,
    habe sie gerade getestet und ich bin schon recht angetan. Sie ist wie eine Missourimassachussetts auf Speed. Die hohe Geschwindigkeit ist sehr lustig, trägt einen aber schnell in Situationen die gefährlich werden können, wenn man die Minimap ignoriert. Die Geschütze sind Lotto. Hab Präzision installiert und manchmal kommen sie auf den Punkt genau, dann wieder streuen sie wild und erzeugen lauter Durchschläge. Ist aber unterhaltsam, muss ich zugeben.

    1. Die RNG-Götter müssen einem gewogen sein, da stimme ich dir völlig zu und auch bei dem mit der Geschwindigkeit … man landet da gerne dort, wo man eigentlich gar nicht sein wollte. 🙂

    1. Die Kanonen der Iowa konnten in der Tat 1200 kg schwere Geschosse verschießen, aber das war nur eine Art der Geschosse. Sozusagen die größten die es im Arsenal gab. Die Sprenggranaten z.B. wogen um die 850 kg und es gab auch einige dazwischen.

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