Vive la France – Dunkerque voraus

Der August scheint ein Monat zu werden, in dem sich in World of Warships (WoWS) viel tut, zumindest was die Auswahl an Schiffen angeht. Neben den schon angekündigten deutschen Schlachtschiffen und der ebenfalls hoffentlich bald erscheinenden Scharnhorst (die Besprechung dieser findet ihr hier) ist nun das erste französische Schiff zum Greifen nahe: Die Dunkerque. Dieses Schlachtschiff der Stufe sechs könnte man ein wenig als Gegenstück oder auch Bruder/Schwester zur Stufe sieben Scharnhorst betrachten, sowohl was die Geschichte der beiden Schiffe angeht, als auch die extravagante Spielweise in WoWS betrifft. Auf alle Fälle bereichert Wargaming.Net (WG) ihr Spiel mit dieser ungewöhnlich dichten Folge von neuen Schiffen, auch wenn die Schiffe sicher nicht für jeden Spieler geeignet sind. Warum und wieso ich dieser Meinung bin, habe ich hoffentlich bei meiner Besprechung der Scharnhorst darlegen können und versucht das nun auch noch für die Dunkerque zu wiederholen.

Die Geschichte

Die Scharnhorst und die Schiffe der Deutschland-Klasse, aus denen die Scharnhorst-Klasse entstand, haben zwar nie die Waffen mit den zwei Vertretern der Dunkerque-Klasse gekreuzt, aber dennoch verbindet sie die Entwicklungsgeschichte miteinander. Als in Frankreich zum Ende der 1920er Jahre bekannt wurde, dass in Deutschland (entgegen der Verträge von Versailles) fünf Schlachtkreuzer / Schlachtschiffe mit starken 28 cm Geschützen geplant wurden (die Deutschland-Klasse) kam die französische Marine zum Schluss, dass neue Schlachtschiffe gegen diese Bewaffnung stark genug gepanzert sein müssten. Da die Infrastruktur für den Bau von Schiffen mit sehr großer Verdrängung nicht vorhanden war, hatten man vor Bekanntwerden der deutschen Pläne überlegt, die im Flottenabkommen von Washington erlaubten 70.000 Tonnen für neue Großkampfschiffe auf vier Exemplare zu verteilen. Da deren Panzerung aber auf Grund der niedrigen Tonnage von ca. 17.000 zu schwach gewesen wäre, wurden die Pläne geändert und es wurde am Ende beschlossen, zwei Schiffe mit je 26.500 Tonnen Verdrängung zu bauen. Als wiederum diese französischen Planungen der deutschen Marineführung zu Ohren kamen, führte dies zum Abbruch des im Bau befindlichen vierten Schiffes der Deutschland-Klasse und der Umplanung zur späteren Scharnhorst-Klasse.

Auch wenn die französische Marine mit dem Bau der Dunkerque und Strasbourg (dem Schwesterschiff der Dunkerque) auf die deutsche Bedrohung reagiert, gab es noch die italienische Marine, der die französische Marine im Mittelmeer zu begegnen hatte. Diese reagiert auf die Dunkerque ähnlich wie die Deutschen und modernisierte nach Kiellegung der Dunkerque ältere Schlachtschiffe der Conte di Cavour-Klasse und als man in Rom dann von dem Baubeginn der Strasbourg hörte, wurde das Modernisierungsprogramm um den Bau von zwei Schlachtschiffen mit 35.000 Tonnen Verdrängung erweitert. Als Reaktion auf diese Littorio-Klasse wurde in Frankreich überlegt den Bau der Strasbourg zu unterbrechen und das Schiff auf über 30.000 Tonnen Verdrängung aufzublasen. Das erschien aber als zu aufwendig und daher wurde die Tonnage nur auf 27.300 erhöht, da man nur die Panzerung verstärkte. Also Folge wurde aber dann die Dunkerque-Klasse als Basis für die Richelieu-Klasse verwendet.

dunkerque_original

Als die Dunkerque (benannt nach der Stadt Dünkirchen) 1938 den Dienst antrat, wurde sie sogleich das Flaggschiff der französischen Atlantik-Flotte und begann vor der spanischen und portugiesischen Küste die Schifffahrtslinien vor möglichen deutschen Übergriffen zu schützen. Nach Ausbruch des Krieges schützte die Dunkerque weiterhin Geleitzüge und kehrte nach einer Überfahrt nach Kanada zu einer kurzen Umrüstung nach Brest zurück. 1940 wurde sie dann in das Mittelmeer beordert, um dort zusammen mit ihrem Schwesterschiff, der Strasbourg, Operationen gegen das faschistische Italien durchzuführen. Bis dahin hielt sich die Teilnahme am eigentlichen Kriegsgeschehen in Grenzen, was auch für die meisten anderen Schiffe der französischen Marine galt, und als die beiden Schlachtschiffe im Juni 1940 in Mers-el-Kébir im Hafen lagen streckte Frankreich die Waffen. Das sollte ironischerweise auch das Schicksal der Dunkerque besiegeln, denn auf Grund der geringen Gefechtsteilnahmen waren die meisten französischen Schiffe noch unbeschädigt und damit für die britische Admiralität eine ernste Bedrohung, sollten die Schiffe in die Hände der Deutschen fallen. So wurden bereits im Juli 1940 im Rahmen der Operation Catapult britische Schiffe (unter anderem die Hood, die später bei der Jagd auf die Bismarck von dieser versenkt wurde) ausgeschickt, um die französischen Schiffe zu versenken. Das schafften die Briten nicht ganz, aber die Dunkerque wurde durch mehrere Treffer (auch von Torpedobombern) sehr schwer beschädigt und war damit außer Gefecht. Das Schiff wurde dann erst Ende 1942 nach Toulon geschafft, dass sich zu der Zeit noch in dem von den Deutschen unbesetzten und “freien” Teil Frankreichs befand. Als die Deutschen Streitkräfte aber kurz später begannen auch diese Gebiete zu besetzten, versenkte die Besatzung der Dunkerque (auch die der Strasbourg und der meisten anderen Schiffe dort) das Schiff selber. Zwar überlegte die Marineführung Italiens ob man die Schiffe heben könnte, aber beschloss dann, dass es sich nicht lohnt und beschränkte sich auf die Ausschlachtung. Erst 1945 wurde das Wrack dann gehoben, aber viel mehr passiert dann auch nicht mehr damit und das Schiff wurde 1958 verschrottet.

Die Dunkerque im Spiel

Auffälligstes Merkmal der Dunkerque sind natürlich die beiden Türme auf dem Bug des Schiffes, die jeweils vier Geschütze tragen und die Tatsache, dass das Schiff dafür keinen Turm (mit Hauptgeschützen) am Heck besitzt. Nein, ich bringe jetzt nicht die Witze, dass dies ja völlig gegen die französische Taktik des Kampfes bei gleichzeitiger Flucht widerspricht, das wäre nicht angebracht. Aber dennoch muss man bei seiner Spielweise diese besondere Anordnung natürlich berücksichtigen, aber dazu später mehr. Erst einmal schauen wir uns die Rohdaten an:

Stukturpunkte: 52.600
Panzerung: 25 mm bis 225 mm
Hauptgeschütze: 2 x 4 330 mm
Reichweite: 18.2 km
Drehgeschwindigkeit (180 Grad): 36 s
Nachladezeit: 28.6 s
Torpedowerfer: –
Reichweite: –
Geschwindigkeit: –
Nachladezeit: –
Sichtbarkeit (Schiff): 16.4 km
Sichtbarkeit (Flieger): 12 km
Höchstgeschwindigkeit: 29.5 kn
Ruderstellzeit (180 Grad): 14 s
Wenderadius: 730 m

Für ein Stufe sechs Schlachtschiff sieht man, dass die Dunkerque recht schnell und sehr wendig ist und die Geschütze schneller als üblich nachladen, was angesichts des etwas kleineren Kalibers auch nötig erscheint. Allerdings ist die Panzerung nicht so massiv, wie man es sich wünschen würde, aber in der Praxis ist das erstaunlicherweise gar nicht so sehr zu spüren, sofern man die Dunkerque richtig spielt. Und hier kommen wir zu dem Punkt, an dem sich (neben der historischen Nähe) Scharnhorst und Dunkerque wieder gleichen: Sie benötigen eine spezielle Spielweise. Diese ist zwar komplett verschieden, aber unterscheidet sich wiederum von der Spielweise der normalen Schlachtschiffen doch deutlich. War der Grund bei der Scharnhorst das geringe Kaliber der Hauptgeschütze, so ist das bei der Dunkerque kein Thema mehr, aber dafür deren Anordnung.

Alle acht Geschütze auf nur zwei Türme zu verteilen und diese auf den Bug zu setzen ist keine unbedingte Besonderheit, denn so ähnlich (mit drei Türmen mit je drei Geschützen) arbeitet das japanische Stufe neun Schlachtschiff, die Izumo, bereits und es steht zu erwarten, dass die ähnlich aufgebaute britische Neslon-Klasse irgendwann auch ins Spiel kommen wird. Der große Vorteil dieser Anordnung ist, dass man seine gesamte Feuerkraft der Hauptgeschütze auf das Ziel richten kann (gilt auf Grund des nach hinten gerichteten dritten Turms nicht bei der Izumo) und gleichzeitig die Front auf den Gegner zu richten. Damit ist man natürlich ein schmäleres Ziel und hat einen Vorteil gegenüber den Gegnern, die für 100 Porzent Schlagkraft mehr oder minder ihre Seite entblößen müssen. Diesen Vorteil wird man häufig nutzen können und minimiert den Schaden den man erhält. Der Nachteil der teilweise schwachen Panzerung wird damit sehr stark reduziert. Diese Taktik funktioniert aber nur, wenn sich die Feinde mehr oder minder gesammelt vor einem befinden und nicht von der Seite beginnen einen unter Feuer zu nehmen. Dann wird, je näher sich der Winkel an 90 Grad nähert, die Schwäche der Panzerung offenbar und der eingehende Schaden steigt deutlich an. Außerdem kann man in der Dunkerque leicht in die Lage geraten, dass man das vorderste Schiff in der eigenen Linie ist, da man frontal, also auf dem kürzesten Wege, auf den Feind zu fährt, während der Rest des Teams wie gewohnt anfängt seitlich auszuscheren. Passt man hier zum Beispiel nicht rechtzeitig seine Geschwindigkeit an, kann es sehr leicht passieren, dass man auf einmal alleine auf weiter See im (Geschoss-)Regen steht.

dunkerque_wows

Sollte man in dieser Situation oder aus anderen Gründen gezwungen sein zu wenden und die Flucht zu ergreifen (Pfui, jetzt bitte keine Steriotypen-Witze über französische Taktik), schlägt der große Nachteil der Geschützanordnung zu: man kann nicht nach hinten schießen. Zwar kann man durchaus schräg fahren und so seine Geschütze einsetzen, aber das macht einen verwundbarer. Und sollte man die Seite wechseln müssen um Geschossen, Torpedos, Inseln oder dem Kartenrand auszuweichen, so müssen die Türme komplett zur anderen Seite drehen und das dauert bei der Dunkerque relativ lange. Daher fällt es in diesem Schlachtschiff durchaus auch schwer, defensiv zu spielen, wenn ein Feind auf einer Flanke drückt und man diesen Vormarsch verlangsamen will. Denn sobald die feindlichen Schiffe zu nahe kommen, ist man leicht zu umfahren, wenn man sich auf das Rückwärtsfahren beschränkt. Hier sind Schlachtschiffe mit Türmen an Bug und Heck deutlich besser dran, da diese zumindest einen Teil der Geschütze einsetzen können.

Genau umgekehrt zu den Hauptgeschützen verhält es sich mit den eigentlich leistungsstarken Sekundärgeschützen (2 x 2 130 mm und 3 x 4 130 mm), denn diese sind mehrheitlich am Heck der Dunkerque untergebracht, was deren Einsatzwinkel deutlich einschränkt. Hier eröffnen sich Lücken in der Verteidigung der Dunkerque gegen Zerstörer, die sich von vorne an das Schiff heran schleichen, denn diese sind dann, außer durch die Hauptgeschütze, mehr oder minder ungefährdet. Gerade in der oben beschriebenen Situation, dass man leicht zur verlassenen Spitze eines Vorstoßes gerät, wird dies zu einem Nachteil, der die Dunkerque verwundbar werden lässt.

Meine Meinung

Ich muss vorweg gestehen, dass Schiffe wie die Izumo oder Dunkerque mit ihrer Geschützanordnung gar nicht so sehr meinem Spielstil entspricht und ich daher dem Schiff sehr skeptisch gegenüber stand, aber ich wurde in Teilen positiv überrascht. So kann man sich an die Spielweise gewöhnen, wenn man auch nicht in allen Situationen so flexibel reagieren kann, wie man es sonst gewohnt ist. Die Geschwindigkeit und Wendigkeit der Dunkerque sind gut, was man ausnützen sollten, denn die Luftabwehr hat gewisse Schwächen und stellt gerade für höherstufige Träger kaum eine Gefahr dar, womit man immer wieder den Schutz der eigenen Kreuzer aufsuchen sollte. Wirklich schwer wird es aber, wenn man in seine gewohnte Spielweise zurückfällt und sich breiter als eigentlich nötig präsentiert oder eben im Rückzug auch noch schießen will, denn dann ist die nicht so starke Panzerung eine echte Achillesferse. Ziemlich enttäuschend ist in meinen Augen teilweise die Leistung Sekundärgeschütze, da diese oft sehr lange benötigen, bis endlich das Ziel, meist ein aufdringlicher Zerstörer, in das Schussfeld fährt. Denn dies ist meist das größere Problem darstellt, als das Ziel in Reichweite zu halten. Was natürlich nicht unerwähnt bleiben sollte bei der Dunkerque ist, dass die Ballung von vier Geschützen in zwei Türmen bedeutet, dass der Ausfall eines Turms umgehend die Kampfkraft des Schlachtschiffes halbiert. Da die Türme recht groß sind, kann das durchaus häufiger passieren, auch wenn Dank der teilweisen starken Panzerung der Türme (aber nur dieser) eine komplette Zerstörung nicht so häufig ist wie man es vermuten würde – auch nicht, wenn man die “Front-Voraus”-Taktik verwendet. Ob die Dunkerque ein Schiff ist, mit dem man als Spieler glücklich wird dürfte weitgehend davon abhängig sein, ob man seine Spielweise anpassen kann oder nicht. Vielleicht wäre es klug einmal mit der Izumo zu üben, ob man mit der speziellen Anordnung der Türme zu Recht kommt, auch wenn die beiden Schiffe nicht komplett vergleichbar sind.

4 Gedanken zu „Vive la France – Dunkerque voraus

  1. Für Gewertete Gefechte ist die Dunkerque sehr gut geeignet. Deshalb weil der Gegner meist in einer geschlossener Gruppe fährt. Bug zum Gegner, nicht zu nah, so dass man noch den Torpedos der Kreuzer und Zerstörer ausweichen kann. Dann, nach Spiel-geschehen entscheiden , was das beste ist

    1. Denke auch, dass die Dunkerque für die Gewerteten Gefechte nicht ungeeignet ist, auch weil sie relativ schnell unterwegs ist. Ich würde aber ehrlich gesagt der Warspite weiterhin den Vorzug geben denke ich, weil ich da den besseren Kapitän habe und ich die Sekundärgeschütze ganz gerne habe. Allerdings ist sie deutlich langsamer … schwere Wahl, aber ich darf/muss ja schon Stufe acht fahren.

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