2000 Runden und kein bisschen müde

Wenige Tage nachdem ich 1000 Runden alt wurde, schubste Wargaming.Net (WG) ihr Küken World of Warships (WoWS) aus dem sicheren Nest der Beta Phase in die rauhe Welt der veröffentlichten Spiele hinaus. Es hat es überlebt, auch wenn viele Spieler der Meinung waren, es sei noch zu früh, die Inhalte zu dünn und wesentliche Dinge würden noch fehlen. Inzwischen neigt sich das Jahr dem Ende entgegen und ich habe weiter fleissig gespielt und habe die Marke von 2000 Runden überschritten. Nun ja, eigentlich mehr, denn einige Runden in den gewerteten Gefechten gab es noch dazu, dazu einige Runden auf diversen Test-Servern, aber wir wollen da jetzt nicht kleinlich sein. Auf alle Fälle ist das wie schon zuvor ein guter Zeitpunkt um ein wenig auf die letzten Wochen und Monate zurück zu blicken und zu sehen was sich denn so alles getan hat bei WoWS. Und auch was geändert wurde oder sich bald ändern soll und was bisher noch fehlt und schmerzlich von dem einen oder anderen vermisst wird. Es gab einige Dinge im Laufe dieser ersten Phase seit WoWS so unverhofft schnell veröffentlicht wurde, bei denen man sich mit Fug und Recht hatte ärgern können aber vor allem gab es auch einige erfreuliche Fortschritte und Anpassungen, die das Spiel ausgeglichener und spannender machten. Hier also mein zweites, und ganz sicher auch nicht finales, Fazit zu WoWS nach 2000 (plus ein wenig) Runden.

Balance – Ein Stück in vielen Akten

Die Balance für ein Spiel wie WoWS zu finden ist schwer, aber wie es in Zeugnissen so schön heisst, war WG stets bemüht dieses hohe Ziel der fairen Gewichtung zwischen allen Schiffen und Klassen zu erreichen. Wer nun ein wenig den Zeugnis-Jargon kennt, wird einwerfen, dass “stets bemüht” so viel bedeutet wie “probiert, aber nicht geschafft” und das ist leider zutreffend. Allerdings hat WG viele kritische Punkte bearbeitet und auch für Abhilfe geschaffen, denn so wurden die Flugzeugträger, die lange die Runden beherrschten deutlich entschärft, in dem z.B. die Geschwindigkeiten der Torpedos reduziert, Mindestabstände beim Abwurf erhöht oder Schaden nach unten geschraubt wurde. Außerdem wurde die Zusammenstellung der Staffeln überarbeitet und zu mächtige Aufstellungen damit einfach entfernt. Aber auch solche Ungerechtigkeiten, bei denen ein Team keinen oder nur einen niedrigeren Flugzeugträger hatte, wurden aus dem Spiel genommen. Erstaunlicherweise waren die Fans von Flugzeugträgern nicht gerade erfreut über diese Aktionen, aber die Schiffe reihten sich nun brav wieder etwas harmonischer in die Hackordnung ein, auch wenn so Schwarm von Bombern weiterhin bei Kapitänen von Schlachtschiffen zu Bissspuren in der Schreibtischplatte führen. Aber das gehört sich nicht anders.

Weil wir gerade bei den Schlachtschiffen sind, vor allem diese profitierten von einem Fehler im Spiel, der mit Update 0.5.1 behoben wurde, denn wie WG im Zuge der Nachwirkungen herausrückte, gab es seit lange Zeit das Problem, dass Treffer als Zitadellentreffer gewertet wurden obwohl es keine solchen besonders schweren Treffer waren. Da leider im Zuge der Behebung sich ein weiterer Fehler einschlich, der auch auf dem Public Test Server (PTS) nicht auftauchte, gingen die Schlachtschiffe unter und zwar im doppelten Sinne. Allerdings wurde das knapp zwei Wochen später von WG wieder behoben und die Problematik verschwand wieder, so dass Schlachtschiffe wieder Schaden machten (sehr zum Leidwesen der Kreuzerkapitäne, denn begannen gerade sich an ihr bequemeres Leben zu gewöhnen). Allerdings gab es im Zuge der Aufstände im Forum auch wildeste Spekulationen über angeblich weitere Änderungen (vor allem bei der Streuung), was sich aber am Ende als Unsinn heraus stellte.

Insgesammt arbeitet WG hart daran die verschiedenen Klassen und Nationen in ein Gleichgewicht zu bringen, ohne dabei alle Schiffe irgendwie gleich zu machen. Das dies stets ein ebenso labiles wie faktisch nicht erreichbares Gleichgewicht sein wird, das müsste eigentlich jedem klar sein, ist es aber leider nicht. Ich persönlich kann als Allesspieler nur feststellen, dass ich weiterhin Spaß an allen Klassen habe, auch wenn ich mit einigen Änderungen bei den Flugzeugträgern hadere (die langsameren Torpedos sind die Pest), was für mich Abwechslung und damit langanhaltende Motivation bedeutet (allerdings auch notorischen credit-Mangel und die Gefahr birgt mich in allen Schiffslinien zu verzetteln). Bisher konnte ich eigentlich alle Änderungen die WG vorgenommen hat nachvollziehen, egal ob sie mich nun positiv oder negativ betrafen und teilweise ein leichtes Umdenken in der Spielweise erforderten. Wir werden uns an Anpassungen und Änderungen gewöhnen müssen, denn spätestens wenn eine neue Nation oder Schiffsreihe ins Spiel kommt, wird das bestehende System über den Haufen geworfen.

Neue Schiffe, neue Inhalte – POI?

Womit wir gleich bei einem sehr erfreulichen und gleichermaßen ärgerlichen Punkt sind, denn WoWS lebt von Nachschub an neuen Inhalten, denn nur das hält am sichersten Spieler bei Laune und damit im Spiel. Mitte Oktober führte WG die ersten deutschen (Kreuzer) und russischen (Zerstörer) Schiffslinien in WoWS ein und gerade die deutschen Kreuzer wurden natürlich von der deutschen Spielerschaft begeistert in Empfang genommen und dann oft direkt in den Meeresboden gerammt. Auch mir ging es so, dass ich diese durchwachsene Linie erst einmal erlernen musste, dann die Schiffe sind extrem fragil und erfordern eine Fahrweise, die nicht jedem liegt. Konnte ich mich nach einiger Zeit an diese halbwegs Eigenheiten gewöhnen, bereiten mir die russischen Zerstörer weiterhin Kopfschmerzen und ich drücke mich noch davor diese intensiver zu spielen. Ich bin nun mal ein Freund der heimlichen Torpedoangriffe wenn ich einen Zerstörer fahre, aber bis man innerhalb der 4 km Reichweite ist, ist es mit der Heimlichkeit schon längst vorbei.

Dennoch bereichern diese neuen Schiffeslinien das Spiel auf vielfältige Weise und bringen Abwechslung, die dringend nötig ist. Natürlich tragen auch die neuen Karten dazu bei (wobei ich immer noch jeden Tag darauf hoffe zu lesen, dass Ocean als Karte endlich aus dem Spiel entfernt wird) oder auch neue Spielvarianten oder Funktionen. Mit Zone wurde ein neuer Modus (mit nur einem Eroberungsbereich) geschaffen, der für viel Spaß aber auch viel Frust sorgt, mir persönlich aber durchaus Spaß macht (außer auf Ocean, aber auf der Karte kann kein Spielmodus für gute Laune sorgen), sofern beide Teams den Sinn und Ablauf verstanden haben. Dazu wurden die bestehenden Karten überarbeitet und einige neue ergänzt, aber Ocean noch immer nicht entfernt (ja ok, das ist das letzte Mal, dass ich über diese Karte schimpfe) und alles in allem füttert WG das Spiel immer wieder mit neuen Inhalten.

Wobei manche Ankündigung für bald kommende Inhalte für einige Verwirrung, Kopfschütteln und unter Fans für Jubel gesorgt hat: In Kürze darf man (zum Glück alternativ) sein Spiel mit der Grafik aus der Anime-Serie Aoki Hagane no Arpeggio schmücken (oder verunstalten, je nach persönlicher Einstellung zu dem Thema). Aber zum Glück ist das nicht alles, denn neben den gewerteten Gefechten (dazu weiter unten mehr), kamen auch einige Kompfortfunktionen ins Spiel, wie das Sortieren von Schiffen im Hafen, Anzeige von Änderungen der Schiffswerte nach Einbau von Modulen, ein Melde-System für Spieler (Lob oder Tadel), welches aber bisher noch keine sichtbaren Auswirkungen hat. Aber WG hat schon angedeutet, dass hier noch Dinge kommen in der Zukunft, vor allem aber auch Funktionen die deutlich dringlicher von der Spielerschaft gefordert werden (abgesehen von neuen Schiffen, neuen Nationen und U-Booten). Bisher hat WG die Clans und Teamgefechte sträflich bei WoWS vernachlässigt, auch wenn immer wieder gemeldet wird, dass sich diese in der Entwicklung befinden. Genauere Informationen sind aber leider bisher nicht veröffentlicht worden, was schade ist, denn gerade dieser Punkt ist etwas, bei dem die Konkurrenz durchaus etwas mehr zu bieten hat. Aber WG hat einfach derzeit einige Baustellen an denen sie arbeiten, da kann man durchaus verstehen, dass nicht alle Dinge sofort umgesetzt werden können.

Gewertete Gefechte – Hochsterben für Fortgeschrittene

Ein paar Probleme bereiten zum Beispiel die gewerteten Gefechte, die WG durchaus vorantreibt und die auch für Spannung und Motivation bei einigen Spielern sorgen. Leider scheint der Weg zu den höheren Rängen für eine nicht unerhebliche Anzahl von Spielern zu anstrengend zu sein, weshalb man den Eindruck bekommt, dass sich viele einfach die Treppe nach oben sterben. Das ist für die bemühten Spieler umso ärgerlicher, da man diese Spieler eigentlich nur dann bestrafen könnte, wenn man selber verliert, aber die Sterne sind hart verdient und man will ja keinen verlieren, also bemüht man sich und schleppt solche Spieler mit durch (oder versucht es zumindest). Noch experimentiert WG mit den gewerteten Gefechten, so wurden in der aktuell laufenden Saison die Stufen für die Schiffe verteilt (zum Beispiele wird erst ab Rang 10 mit Schiffen der Stufen sieben und acht gespielt), die Ränge ab denen man nicht mehr abrutschen kann wurden geändert und der Spielmodus angepasst (nur noch zwei Eroberungbereiche).

Zumindest scheint der Match Maker (MM) in diesem Modus gut zu funktionieren, was man leider nicht immer bei den normalen Gefechten behaupten kann, zuminest in den höheren Regionen. Vor allem die neuen Missionen, Herausforderungen, Events und Aufgaben führen aktuell dazu, dass bestimmten Schiffsklassen überdurchschnittlich stark präsent sind. Erst wenn man einmal eine Runde mit zehn Zerstörern gespielt hat, weiss man als Schlachtschiffkapitän wirklich, was eine Wand aus Torepdos wirklich ist. Oder wenn mal wieder ein Team über ein Schlachtschiff mehr und dazu durchgehend höherstufige Schlachtschiffe verfügt, das andere Team dafür über eine Mehrzahl an fragilen deutschen Kreuzern oder weithin sichtbaren russischen Zerstörern, dann fragt man sich ob der MM nicht gerade eine Pause macht. Allerdings können WG und der MM nur mit dem Material arbeiten, das gerade da ist und daher hoffe ich, dass in Zukunft der MM noch weiter angepasst wird und vor allem die Zahl der Spieler in den kritischen Stufen schnell ansteigt.

Viel erlebt, aber immer noch fasziniert

Wenn ich auf die vergangenen 2000 Runden schaue und die Dinge die sich seit dem verändert haben, dann bin ich zufrieden. Ja, das kann man durchaus sagen, denn WoWS macht mir weiterhin sehr viel Spaß und gerade das gemeinsame Fahren in einer Division ist unterhaltsam wie eh und je. Auch wenn man so langsam die letzten Geheimnisse des Spiels enthüllt, seine Tricks und eingefahrenen Wege auf den Karten hat, langweilig war es nicht und ich sehe viele Dinge die WG angeht, damit es weiterhin unterhaltsam bleibt. Einige dringliche Baustellen hat WG meiner Meinung nach vor sich, einige Dinge hätte man sich sparen können, aber andere Dinge sind eine willkommene Abwechslung und Quell der Freude (womit ich etwa die Blyskawica oder Imperator Nikolai I meine). WoWS hat in meinen Augen die Konkurrenz (namentlich das kürzlich bei Steam gestartete Steel Ocean) nicht zu fürchten, denn was Spielgefühl, Detailreichtum der Schiffe und stimmige Inhalte angeht, liefert WG bisher ein sehr gutes Produkt ab. Außerdem versorgt uns WG ja in naher Zukunft mit neuen Schiffen (im Laufe des Jahres 2016 sollen die restlichen deutschen und russischen Schiffe, so wie die ersten britischen Schiffe kommen) und hoffentlich auch weiterhin mit neuen Karten (und nimmt “Die, die nicht genannt wird” raus). Klar fehlen noch grundlegende Funktionen wie Teamgefechte oder Clankriege und auch eine Überarbeitung der Fähigkeiten des Kapitäns wäre durchaus mal nötig, da es hier einige unbrauchbare Fähigkeiten gibt, aber ich bin überzeugt davon, dass WG hier nicht untätig sein wird.

Ich sehe es mit Freude, dass auf dem europäischen Server von WoWS regelmäßig zur Haupspielzeit mehr als 20.000 Spieler gleichzeit ihre Schiffe durch die virtuellen Meere steuern und sich gegenseitig mit virtuellen Geschossen den Hosenboden stramm ziehen. Natürlich wird geflucht, wird geschimpf und wird beleidigt, dass es jedem anständigen Menschen die Schamesröte ins Gesicht treibt, aber leider ist das im Internet nun mal so und in Online-PvP-Spielen erst recht. Aber davon lass ich mich selten beeinflussen, versuche es mit Humor und evt. sarkastischen Antworten zu nehmen und freue mich daran, dass WoWS weiterhin seine Faszination für mich aufrecht erhält. Auch nach 2000 Spielen (eigentlich viel mehr, wenn ich die aus Alpha und Beta Zeiten mit dazu zähle) fesselt mich WoWS nicht nur wegen der Herausforderung besser zu sein als andere Spieler und gemeinsam mit Freunden eine Schlacht zu schlagen, nein es ist weiterhin das Gefühl welches WoWS vermittelt. Noch immer kann ich mich auf das Spiel einlassen und mich in dem Gefühl verlieren, ein 50.000 Tonnen Schiff durchs Wasser zu manövrieren (oder gegen Inseln, was ich auch nach so vielen Runden immer noch gerne tue, natürlich immer aus taktischen Überlegungen). Und bisher sehe ich nicht, dass diese Faszination nachlassen würde, auch weil WG nicht zu schnell und zu viel auf einmal ändert, auch wenn ich natürlich gerne bald die ersten Schlachtschiffe aus deutscher, britischer oder französischer Produktion im Hafen stehen hätte.

5 Gedanken zu „2000 Runden und kein bisschen müde

  1. Es ist auch immer wieder eine Freude Dir / Euch “Saturax” und “Dosenhuhn” beim Schiffe versenken zuschauen zu dürfen.
    Lernfaktor garantiert. Zumal ich ja immer noch Hartnäckig im Co-op Modus meine Fähigkeiten versuche zu verbessern.
    Und glaube mir , da hat es auch Spezialisten darunter , die einem den Dampf unter die Schädeldecke treiben.
    Stetiges rammen , oder sich an die Rumpf Seite kleben , und einem als Schild missbrauchen.

    War Lustig in einem Gefecht Heute.
    Ich mit der Kawachi , und einer mit nem Zerstörer schrammt mir permanent an der Seite rum.
    Benutzt mich frisch fröhlich als Schild.
    Feuert auch munter drauf los , und beschädigt mich natürlich.
    Da wird es mir schließlich zu Bunt und ich feuer dem Deppen ne Salve voll auf die zwölf.
    Hat gerade noch etwas an Lebenspunkten übrig.
    Das Gefecht ist zu Ende , und zum Erstaunen musste ich nichts bezahlen wegen meiner Salve.
    Er mir aber über 900 Dublonen 😉

  2. Erst einmal Danke für eure Worte.

    @Grimgor464: Ich hoffe wir können ein wenig helfen, auch wenn wir viele Dinge falsch machen oder uns hinreißen lassen. Leider kenn ich auch solche Leute wie du es beschreibst … ärgerlich einfach.

  3. Das freut mich, wenn du weiterhin Spaß wie am ersten Tag hast 🙂

    Bei mir haben die letzten 10 Runden ranked Battles den Spielspaß eingedämmt. Fühlt sich so ähnlich an, wie letztes Jahr, als ich dann am Ende WoT an den Nagel gehängt habe. Ich hoffe mit einer Pause das jetzt selbt kurieren zu können- aber bei mir prallen da ganz gewaltig Anspruch und Endergebnis aufeinander. Ich würde behaupten, dass ich meine Fähigkeiten schon realistisch einschätzen kann. Wenn es dann aber unterm Strich nicht für den Top 5-Rang reicht, dann ist das für mich persönlich schon ein Dämpfer.
    Mal schauen, vielleicht zieht es mich kurzzeitig wieder zu WoT (da kenne ich mich zu gut und weiß, dass ich da nicht lange verweilen werde) und komme dann gestärkt nach WoWS zurück^^

  4. Gewertete Gefechte sind ein Problem, daher mache ich auch recht wenig davon, denn die können zwar motivieren, aber auch furchtbar frustrieren. Und ich habe keine Lust bei WoWS frustriert zu werden und das kann verdammt schnell gehen, wenn du Runde um Runde verlierst, weil sich welche nur hoch sterben wollen oder einfach zu dumm sind einigermaßen kluge Entscheidungen zu treffen (z.B. statt auf den Kreuzer mit 100 HP in 5 km zu schießen, lieber das Schlachtschiff in 15 km direkt dahinter unter Feuer nehmen, weil das gibt mehr Punkte wegen den mehr hitpoints). Da verzichte ich lieber auf mögliche coole Belohnungen (Kitakami für einige Wochen haben) und Boni und erhalte dafür auch nicht den Frust.

    Ich hoffe mal eine kleine Pause wird dir gut tun und dich wieder auf den rechten Weg zurück bringen.

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