Die Ägir – ein Meeresriese?

In diesem Jahr können die Freunde der Schiffe aus deutschen Werften (ehrlich gesagt eher aus deutschen Projekt-Archiven) nicht jammern, denn mit zum Beispiel Siegfried, Ägir, Odin und den deutschen Flugzeugträgern schwimmt da eine ganze Menge Stahl auf uns zu. Den Start machen Odin, die man sich fast komplett kostenlos über das Hamburger-Werft-Event erspielen kann, die Siegfried, die man für Forschungspunkte bekommt und die Ägir, die entweder im Premium-Laden oder für 1.000.000 freie Erfahrungspunkte (und 1 Credit, den wollten wir ja nicht unterschlagen), zu haben ist. Die Frage ist nun, ob sich die Investition in diesen Stufen neun überschweren Kreuzer lohnt, daher werfen wir einen Blick darauf.

Die Geschichte

Die deutsche Marine hatte vor und während des zweiten Weltkrieges viele sehr große Pläne, die aber alle mehr oder minder das Ziel hatten, mehr, bessere und größere Schiffe zu bauen als die britische Royal Navy. Ein Unterfangen, welches von Beginn an eigentlich schon überambitioniert zu nennen noch freundlich gewesen wäre. Aber spätestens mit Ausbruch des Krieges und der folgenden Knappheit bei den Rohstoffen und des ständigen Verschiebens von Schwerpunkten in der Rüstungsindustrie waren es nur noch Träume. Ein Teil dieser hochtrabenden Ideen war die Mitte der 1930er Jahre begonnene Planung für zwölf schwere Kreuzer als geistiger Nachfolger der Deutschland-Klasse (eines der Schiffe war die Admiral Graf Spee), die als P-Klasse entwickelt wurde. Schnell genug um Schlachtschiffen entkommen zu können aber stark genug um auch sicher gegen schwere Kreuzer bestehen zu können, das war die Idee hinter der P-Klasse zu der es über zwanzig Ideen, Varianten und Pläne gab.

Schon hier taten sich einige Probleme bei der Planung auf, die teilweise technischer Natur waren, da die Panzerung sehr komplex und sehr schwer wurde. Dazu kam, dass selbst wenn der Bau begonnen hätte, die Werften mit zwölf Schiffen dieser Klasse komplett überfordert gewesen wären – es fehlte schlicht und ergreifend an Bauplätzen. Schwerwiegender war aber, dass die geplanten Kanonen (283 mm wie auf der Scharnhorst) in den Planspielen als zu schwach erwiesen hatten gegen die Kreuzer die aktuell bei (bald) feindlichen Marinen im Dienst oder Bau waren. Daher entschloss man sich die P-Klasse zu streichen und durch die O-Klasse zu ersetzen, bei der die Geschütze gegen 380 mm Kanonen ausgetauscht werden sollten. Damit wären es eigentlich keine Kreuzer mehr gewesen, sondern Schlachtkreuzer (diese Variante kennen wir auch in WoWS auch: die Siegfried).

Die Ägir stellt nun eine Zwischenvariante dar, die in der Logik in das Konzept der O-Klasse durchaus gepasst hätte, da sie von der Panzerung und Geschwindigkeit her ein Kreuzer ist, größere Geschütze als “normal” führt, aber nur fast die Geschütze eines Schlachtschiff besitzt und daher noch kein Schlachtkreuzer ist. Dass auf deutschen Schiffen auch Drillings-Geschütze verbaut wurden zeigt zum Beispiel die Scharnhorst und auch die 305 mm Geschütze sind entgegen der Meinung vieler Leute keine Erfindung. Tatsächlich wurde das Kaliber im ersten Weltkrieg bei deutschen Schiffen verwendet und im zweiten Weltkrieg bei Küstenbatterien. WG “verwendete” das 305 mm 56 SK C/39 Geschütz und davon gab es sogar einen Prototyp und die Pläne dazu sprechen davon, dass diese Geschütze für Schiffe gedacht waren. Damit ist es nicht unwahrscheinlich, dass es auch Überlegungen gab diese Geschütze auf der O-Klasse zu verwenden, womit wir bei der Idee für die Ägir wären.

Dass aus den geplanten Schiffen nie etwas wurde ist hinreichend bekannt, aber WoWS lebt ja auch von dem “was wäre wenn” Faktor, denn in der Realität sind auch Iowa und Yamato nie in einem Seegefecht aufeinander getroffen und haben sich beschossen. Von daher ist die Ägir natürlich ein Papier-Schiff, aber eines, dass dem recht nahe kommt, was wirklich mit der O-Klasse möglich gewesen wäre – zumindest eine Variante davon.

Das Schiff im Spiel

Strukturpunkte62 850
Hauptartillerie3 x 3 305 mm/56 SK/39
  Maximale Feuerreichweite18.5 km
 Nachladezeit20 s
 Genauigkeit
  Sigma2.05
  horizontale Streuung203 m
  Drehgeschwindigkeit (180 Grad)30 s
 Sprenggranaten
  Schaden3 600
  Brandwahrscheinlichkeit27%
  Geschossgeschwindigkeit865 m/s
 Panzerbrechende Granaten
  Schaden9 100
  Geschossgeschwindigkeit865 m/s
Torpedorohre‎2 x 4 533 mm
 Nachladezeit90 s
 Geschwindigkeit65 kn
 Maximale Reichweite6 km
 Oberflächensichtbarkeit1.3 km
Flugabwehr
  55 mm L/77 Gerät 58 Zwilling‎9 x 2 55 mm
  20 mm Flakvierling 38‎6 x 4 20 mm
  20 mm Flakvierling 38‎4 x 4 20 mm
  128 mm L/61 KM40‎9 x 2 128 mm
Höchstgeschwindigkeit33.5 kn
Wendekreis880 m
Ruderstellzeit14 s
Oberflächensichtbarkeit15.1 km
Luftsichtbarkeit10.7 km

Die Ausstattung der Ägir ähnelt bei den Hauptgeschützen den bereits im Spiel befindlichen überschweren Kreuzern wie Alaska, Kronshtadt, Azuma (auch wenn die 310 mm statt 305 mm hat) und ist der deutsche Vertreter in diesem Club, weshalb ein Vergleich mit diesen Schiffen natürlich nahe liegt. Auffällig ist, dass die Ägir bei den panzerbrechenden Geschosse die mit dem höchsten Schaden besitzt (wenn auch knapp), dafür aber bei den Sprenggranaten deutlich zurückstecken muss. Das ist allerdings nicht so dramatisch wie es klingt, denn mit 76 mm Durchschlagskraft (1/4tel des Kalibers, nicht wie sonst üblich 1/6tel ) sind diese um 50 Prozent durchschlagskräftiger als die der Kollegen. Bei der Reichweite, Genauigkeit und der Nachladezeit liegt die Ägir mal drüber und mal drunter, aber alle drei Schiffe liegen eh sehr nahe beieinander und es gibt hier kaum Unterschiede. Die Kronshtadt schießt schneller, aber weder so genau noch so weit, während die Alaska etwas weiter und genauer ist, dafür aber ebenso lange lädt. Dafür bieten die panzerbrechenden Granaten der Ägir etwas mehr Durchschlagskraft, während die Alaska den größeren Winkelbereich hat, in dem diese noch nicht abprallen.

Bei den Strukturpunkten geben sich Alaska und Ägir kaum etwas, aber die Kronshtadt hat fast 10.000 Punkte mehr! Den vermutlich größten Unterschied stellt die Panzerung dar, denn die Ägir ist, wenn auch nicht wie ein Schlachtschiff, doch ganz gut gepanzert. Deck, Bug und Nase sind nicht gerade üppig mit Stahl belegt (27 mm bzw. 30 mm), aber der Aufbau der Panzerung im Inneren des Schiffes (Stichwort “Turtleback”- oder Schildkröten-Panzerung) schützt die Zitadelle von seitlichem Beschuss aus mittleren Distanzen ganz gut. Dazu kommt der erstaunlich gute Torpedoschutz (mit 37 Prozent Schadensreduktion besser als bei Kronshtadt (34 Prozent) und Alaska (13 Prozent)), was zusammen mit der hydoakustischen Suche die Angst vor Zerstörern fast schwinden lassen sollte. Bei der Flugabwehr kann die Ägir gut mithalten und liegt zwischen dem russischen und dem amerikanischen Schiff (welches die beste Abwehr hat) und kann sich ausreichend gut verteidigen gegen aufdringlichen Träger.

Meine Meinung

Man kann sehr gerne über Sinn und Unsinn dieser Idee eines Schiffes der O-Klasse streiten und am Ende bleibt alles Spekulation, aber die Ägir passt einfach so wie sie ist ins Spiel und erhöht die Auswahl bei den überschweren Kreuzern. Sie hat ihre Vorteile (solide Panzerung, guter Torpedoschutz, durchschlagskräftige Granaten, genaue Geschütze mit solider Reichweite) und ihre Nachteile (anfällige Deckpanzerung, viele Überpenetrationen bei leichten Zielen, kurze Torpedos) und wird auf lange bis mittlere Distanzen ihren Spaß haben. Die Panzerung wirkt nur, wenn die Geschosse nicht zu steil von oben (aus großer Distanz) oder zu flach (aus kurzer Distanz) einschlagen, denn dann werden feindliche Granaten weniger Widerstand treffen oder aber genug Durchschlagskraft haben, um bis zur Zitadelle zu kommen. Man kann sich also auf den Schutz verlassen, wenn man in der richtigen Entfernung und Position zum Gegner steht, was sich natürlich in einem Gefecht nicht so einfach umsetzen lässt, denn meist wird man Ziel von mehr als nur einem Schiff sein.

Was die Leistungsfähigkeit der Bewaffnung angeht, so ist diese Quelle von Freude und Frust. Die Sprenggranaten machen wenig Schaden, aber können auch stärkere Panzerung durchschlagen, was man nicht unterschätzen sollte. Lieber auf ein paar Punkte Schaden pro Granate verzichten, aber dafür sicher den Schaden ins Ziel bringen, das ist eine Option, die man mit der Ägir immer hat, was aber nicht bedeuten soll, dass man die panzerbrechende Munition vergessen sollte. Die haut nämlich nicht nur ordentliche Löcher in die Ziele, sondern kommt auch noch durch Panzerung, bei der andere Kreuzer scheitern. Allerdings geht dies mit einem Nachteil Hand in Hand, denn leichte Ziele wird man – meist auf kurze Distanz und nicht angewinkelt – einfach durchschlagen und steht dann mit sehr wenig Schaden pro Treffer da. Ein Wort noch zu den Torpedos, die ich stiefmütterlich vernachlässigt habe, aber das aus gutem Grunde. Sie sind zwar nicht unbrauchbar, aber mit nur 6 km Reichweite und dem recht geringen Schaden sind sie eher eine Notbewaffnung. Wird ein Gegner zu aufdringlich, dann kann man sich mit den Torpedos gut zur Wehr setzen und muss sogar dank des guten Abwurfwinkels nicht mal groß seine Breitseite zeigen. Zu mehr taugen sie aber auch nicht.

Ich finde die Ägir ist ein solides Schiff, dass mit den anderen überschweren Kreuzern seiner Stufe mithalten kann und an einigen Stellen übertrifft. Die richtige Spielweise und das Finden der passenden Position (nicht zu weit weg vom Gegner und nicht zu nahe am Feind) sind für mich der Schlüssel zum Spaß mit diesem Schiff. In einigen Situationen wird man mit der Ägir sogar sehr aggressiv vorstoßen können und so manchen Gegner im Nahkampf überraschend einfach aus dem Wasser blasen können, aber man sollte nicht übermütig werden. Der Schaden den man einsteckt, gerade durch Sprenggeschosse, lässt die eigenen Strukturpunkte doch schneller schmelzen als einem lieb sein kann. Die O-Klasse sollte Kreuzer zerstören und Schlachtschiffen entkommen und die Ägir schafft dies in WoWS fast. Sie ist einen Tick zu langsam um den Schlachtschiffen schnell genug entkommen zu können aber kann reguläre schwere und leichte Kreuzer dennoch sehr effektiv versenken, wenn auch nicht so schnell wie ein Schlachtschiff. Daher ist sie für mich persönlich ein funktionierendes und gutes Schiff und eine wirkliche Bereicherung für die überschweren Kreuzer – egal ob einem die Idee der Entwickler zu dieser O-Klassen-Variante gefällt oder nicht.

Vorschlag für die Fähigkeiten des Kapitäns

Stufe 1: Vorrangiges Ziel

Stufe 2: Eliteschütze Adrenalinrausch

Stufe 3: Grundlagen der Überlebensfähigkeit Inspekteur

Stufe 4: Brandschutz Tarnungsmeister

Begründung: Wie schon erwähnt ist Positionierung das A und O für die Ägir und zu wissen ob (oder wie viele) Gegner auf einen zielen ist sehr hilfreich bei der Entscheidung ob und wie man dreht. Daher ist “Vorrangiges Ziel” die erste Wahl bei den Fähigkeiten des Kapitäns. Die Türme der Ägir sind langsamer als bei den meisten Kreuzern und haben ein wenig Unterstützung durch “Eliteschütze” wirklich nötig, vor allem wenn man seine Nachladezeit mit der “Hauptbatterie-Modifikation 3” reduzieren will. Sinnvoll und brauchbar, vor allem gegen Ende eines Gefechtes ist “Adrenalinrausch”, daher ist es für mich die zweite Fähigkeit auf Stufe zwei. Auf Stufe drei kommt man an “Inspekteur” kaum vorbei, denn man wird die extra Reparaturmannschaft und das extra Sonar gut brauchen können. Dazu empfiehlt es sich, wie bei den meisten überschweren Kreuzern, auch “Grundlagen der Überlebensfähigkeit” zu wählen, damit die Zeit der Brände, Wassereinbrüche und Ausfälle reduziert wird. In die gleiche Kerbe schlägt dann auf Stufe vier der “Brandschutz”, denn wie alle ihre Kolleginnen brennt die Ägir so lange wie ein Schlachtschiff und das bei weniger Strukturpunkten. Zuletzt wäre meine Wahl “Tarnungsmeister”, denn die Ägir hat einen relativ niedrigen Wert bei der Sichtbarkeit, den weiter zu drücken sich wirklich lohnen kann. Es hilft bei einer mittelmäßig aggressiven Spielweise ungemein, wenn man erst auf unter 13 km entdeckt wird oder ab dieser Distanz wieder von der Bildfläche verschwindet.

Mögliche Alternativen zu den vorgeschlagenen Fähigkeiten gibt es durchaus, aber ich würde davon abraten die Ägir (anders als die Odin oder Siegfried) mit einem Fokus auf die Sekundärgeschütze zu spielen. Mit einer Basisreichweite von nur 5.3 km sind diese 9 x 2 128 mm Geschütze nicht so gefährlich und nützlich wie die der anderen beiden Schiffe und daher sollte man die Finger von dieser Idee lassen. Wer häufig mit Ausfällen zu kämpfen hat, der sollte “Präventive Maßnahmen” statt “Vorrangiges Ziel” wählen und wer gerne zwischen panzerbrechenden und Sprenggranaten wechselt, für den könnte “Ladeexperte” brauchbar sein, auch wenn ich sonst von dieser Fähigkeit relativ wenig halte.

2 Gedanken zu „Die Ägir – ein Meeresriese?

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